So haben wir uns gleich zu Beginn dieses Monats dazu entschieden, die erste Single aus dem am 25.09. erscheinenden neuen Nichtseattle-Doppelalbum Große Liebe zu veröffentlichen. Die Single trägt den Titel Dallas und erinnert uns an die legendäre TV-Serie mit Romeo-und-Julia-Sujet im texanischen Ölgeschäft. Das Leben der Reichen und Schönen auf der Southfork-Ranch. Die dort sesshafte Familie Ewing verfügte über eigene Ölquellen und musste sich über aufmüpfige OPEC-Staaten im Nahen Osten keine Sorgen machen. Ganz im Gegenteil: Davon profitierte sie! Aber der eigentliche Treibstoff der Serie waren Affären und Intrigen. Der Patriarch J.R. Ewing, gespielt von Larry Hagman, hat das Fernsehpublikum schon in den 80er und 90er Jahren auf den Vibe des MAGA-Imperiums vorbereitet. Naja, streng genommen waren die Herren der Reaganomics ja auch schon ziemlich MAGA. „Let’s make America great again“ stand schon damals in der Hitparade ganz weit oben!
Komm ins Team Chris!
Es ist schon erstaunlich, wie gerade in Berlin gewisse Leute geplante staatliche Kürzungen in der Kultur beklagen, die in den letzten Monaten vor allem dazu aufgefordert haben, alle Veranstaltungen, die mit deutschen Kulturgeldern gefördert wurden, zu boykottieren!
Als Old-School-Dialektiker:innen der Generation X gerät man in solchen Fällen schon mal an seine Grenzen.
Sowieso sollte uns doch hoffentlich allen sein: Sich in dieser Welt auf staatliche Kulturförderung als Lebensgrundlage zu verlassen, ist absurd.
Was wir viel mehr bräuchten, sind vernünftigere Rahmenbedingungen! Von Mindestgagen bis zur Monopolzerschlagung im Ticket-Verkauf ist gerade im Musikgeschäft die Rede, Über all das sollten wir in den kommenden Wochen und Monaten unbedingt ausführlich sprechen und handeln! Ja, und wenn wir städtische Kulturräume nicht vor Real Estate Investoren schützen können, dann müssen wir das Real Estate Business eben gesetzlich dazu in die Pflicht nehmen!
Hausmusik
Mein Großvater war Fliesenleger, mein Vater war Fliesenleger. Der Geruch von Speis (nicht spice) ist mir seit dem Kleinkindalter vertraut. Sowie der Sound der Speismaschine.
Ich bin in einer Neubausiedlung Nähe der holländischen Grenze aufgewachsen. Dort wurde eigentlich ständig gebaut: Einfamilienhäuser. Doppelhaushälften. Die Straßen geteert, die Gärten eingezäunt. Gespielt habe ich mit den Nachbarkindern am liebsten in Rohbauten und den davor aufgeschütteten Sandbergen.
So hat mich das Bauwesen am Ende sicher mehr geprägt als die Landwirtschaft, obwohl die westfälische Heimat ursprünglich mal eine Bauerngegend war.
Hudey Hudey Dem Dem
Wir haben etwas Musik mitgebracht, die durchaus andockfähig ist, was feministische Diskurse angeht. Wobei es in diesen Songs vor allem um Beziehungsfragen und Ängste geht. Aber aus weiblicher Sicht erzählt. Mit Ausnahme von NITSCH am Ende, da geht’s eher um toxische Männlichkeit und Macho-Attitüde. Aber genau die macht diesen Tag heute ja so unverzichtbar! Vor allem die aus der ganzen Macho-Scheiße über Jahrtausende gewachsenen, immer noch real existierenden schreienden Ungerechtigkeiten: Wir denken an unbezahlte oder schlecht bezahlte Care-Arbeit, an Gewalt gegen Frauen, an permanente Unterdrückung, an ungleiche Karrierechancen oder an die in der Prekarität lebenden alleinerziehenden Frauen.
Licht, Fleiß und Chemsex
Frohe Noises 2024! Etwas spät, zugegeben, aber es kommt von Herzen.
Trotz extrem schwieriger gesamt-gesellschaftlicher Umstände freuen wir uns auf das neue Jahr mit Euch. Es gibt ja Theorien, dass politische Kackzeiten sehr tolle Musik hervorbringen sollen.
An dieser Stelle wird gerne Punk ins Spiel gebracht. Oder Reggae. Oder Rock aus dem Geiste der 68er-Protestbewegung.
Nun, diese These tröstet uns insofern, als der Mensch für das politischen Unvermögen und der daraus resultierende Handlungsunfähigkeit seiner Alphatiere zumindest in den Subkulturen seine Wünsche und Bedürfnisse nach entsprechenden Richtungswechseln ansprechend artikuliert bekommt.
Geld & Gefühl
Tja, wie geht’s jetzt weiter?
Wer leiht uns Deutschen jetzt 60 Milliarden – wenn nicht wir selbst uns selbst?
Zu schade, dass ausgerechnet Peer Steinbrück als SPD-Finanzminister 2009 die Schuldenbremse eingeführt hat, nachdem er 2008 die Banken gerettet hatte, und die EZB zum Dank den Leitzins massiv angehoben hat.
Danke dafür.
Eigentlich war es eine kreative Idee von Scholz & Friends, das bereits selbst genehmigte Sondervermögen aka Kredit für Corona-Schieflagen in die Energie-Transformation dieses Staates zu stecken.
News Feed am Lake Felix
Liebe Leute! Hier kommt der vielleicht letzte Newsletter, der noch nicht von einem Chat-Bot geschrieben wird. Wobei: Stimmt nicht. Hans E. Platte schreibt seine launigen News auch immer noch von Hand. Und die Damen und Herren bei Audiolith oder Buback sicher auch. Insofern: Ein richtig schönes DIY-Arbeitsfeld, diese Independent-Label-Newsletter-Welt! Im angelsächsischen Raum lassen sich namenhafte Essayisten und Feuilletonisten mehr und mehr für ihre Newsletter im Abomodell bezahlen.
Deep Dive statt random an der Oberfläche herum zu klicken! Den liefern wir im Hause Staatsakt seit gut 20 Jahren für Umme. Na gut, mal mehr und mal weniger tiefgründig, und in erster Linie ja doch immer nur darauf erpicht, den Leser:innen ein paar schöne Produkte anzudrehen.
Kommunistenlibido
„Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk“, sangen Tocotronic im Jahr 1995 und in der Generation X fühlten sich alle Slacker*innen in ihrer provinziellen Kultur-Diaspora damals komplett abgeholt.
Die Berliner Liedermacherin Katharina Kollmann nennt ihr Musik-Projekt fast 30 Jahre später Nichtseattle. Nach eben diesem Song. Nun, slacken heisst heute chillen, wobei die Zeit heute noch viel rastloser scheint als damals.
Auf den letzten Drücker
Der zweite Newsletter nach der Zeitenwende und die Ereignisse überschlagen sich weiter: Also wenn die deutsche Automobil-Regierung plötzlich ein 90-Tage-Ticket für 9 Euro für den öffentlichen Nahverkehr beschließt, dann muss die Situation wirklich sehr ernst sein. Und wenn Robert Habeck den erst besten Flieger nach Katar nimmt, erst recht.
Are you ready for a comeback?
Der Mann sind wieder da! Ja, wer hätte gedacht, dass sie je weggewesen sind.
Die Schwesterband der Türen, die 2014 ihr Debütalbum Wir sind der Mann herausbrachten und mit Menschen machen Fehler und Ich bin ein Mann durchaus ein paar Hits zu bieten hatte. Gemeinsam mit dem Maler Helmut Kraus und dem CGI-Mann Sebastian Kaltmeyer schufen sie einen bizarren Durchschnittsmann.