Erik-Leuthäuser-staatsakt-label

Hausmusik

Mein Großvater war Fliesenleger, mein Vater war Fliesenleger. Der Geruch von Speis (nicht spice) ist mir seit dem Kleinkindalter vertraut. Sowie der Sound der Speismaschine.

Ich bin in einer Neubausiedlung Nähe der holländischen Grenze aufgewachsen. Dort wurde eigentlich ständig gebaut: Einfamilienhäuser. Doppelhaushälften. Die Straßen geteert, die Gärten eingezäunt. Gespielt habe ich mit den Nachbarkindern am liebsten in Rohbauten und den davor aufgeschütteten Sandbergen.

So hat mich das Bauwesen am Ende sicher mehr geprägt als die Landwirtschaft, obwohl die westfälische Heimat ursprünglich mal eine Bauerngegend war.

50 Jahre später geht’s in Gesprächen eigentlich auch nur noch ums Bauwesen. Der Zustand der eigenen Wohnung, die nervigen Dialoge mit der Vermieterin, die Frage nach bezahlbarem Wohnraum, die Frage, wo man am Ende bleibt. Dabei bin ich doch vor über 20 Jahren nach Berlin gezogen, um dem Bauwesen zu entfliehen.

Um Fliesen-Platten gegen Vinyl-Scheiben auszutauschen. Aber klar, wo steht so ein Plattenspieler am Ende..?

Also Schluss mit den autobiographischen Bob-der-Baumeister-Geschichten.

Hin zum offiziellen Prospekt-Text.


Nichtseattle-by-Sascha-Schlegel-staatsakt-label

HAUS heisst das heute erscheinende dritte Album von Katharina Kollmann aka Nichtseattle. 12 Lieder über Behausungsfragen. Über ein emotionales Zuhause. Aber auch um die Frage nach den Besitzverhältnissen von Häusern. Nach der Bezahlung von Zelt und Schloss. Lieder über die unterschiedlichsten Wohnräume und nicht zuletzt über das Personal in diesen Räumen.

Über Lebenskonzepte. Über Liebe und Freundschaft. Über Sippen und Paare. Über Vereinzelung und Gruppendynamik. In einer Band z.B. Oder in einem Chor.

So wie hier im schönen, frisch gezimmerten Video zum Song Beluga (Eigentumswohnung):

Die HAUS-Vinyle kommen leider erst nächste Woche am 19.04. auf den Markt. Es gab bedauerlicherweise ein Lieferproblem. Das könnte indirekt auch etwas mit dem Bauwesen zu tun haben. Mit bestimmten Materialien. Mit Holz z.B. Aber so ganz genau wissen wir es nicht. Auf jeden Fall gehört HAUS von Nichtseattle 2024 in jeden gut sortierten Plattenschrank.

Wer gerne etwas Farbe auf seinen Vinyl-Teller legt, dem sei die (blaue) HHV-Version ans Herz gelegt:

https://www.hhv.de/shop/de/records/artikel/nichtseattle-haus-hhv-exclusive-blue-vinyl-edition-1085416

Wer es lieber transparenter mag, weil er eine hübsche Slipmat auf dem Plattenteller liegen hat, der kauft „Clear Vinyl“ bei JPC:

https://www.jpc.de/jpcng/poprock/detail/-/art/nichtseattle-haus/hnum/11704681


Stefanie-Schrank-Pressefoto-2024-Ansgar-Hiller

Wo wir schon beim Schrank in der Alt- oder Neubauwohnung sind (Überleitungen aus der Überleitungshölle): Unsere Künstlerin Stefanie Schrank hat erst letzte Woche das Titelstück ihrer zum Record-Store-Day als limitierte 12“-Vinyl + Fanzine erscheinenden Schlachtrufe BRD veröffentlicht. Reflexionen aus dem beschädigten Deutsch-Punk-Leben.


Erik-leuthaeuser-by-david-mesa

Wir wechseln abschließend vom HAUS auf’s Schiff, besser gesagt auf ein Boot. Laut Foucault ja der Ort der Heterotopie schlechthin. Aber ob der damals auch die Reedereien im Sinn hatte? Jedenfalls sehen wir in folgendem Clip den geschätzten Jazz-Sänger Erik Leuthäuser aus einem Boot in einen See plumpsen.

Frage: Wenn wir nur Sänger geschrieben hätten, wäre das Interesse an dem folgenden Video größer oder kleiner als wenn wir explizit von einem JAZZ-Sänger schreiben?

Das Album Sucht von Erik Leuthäuser, welches am 26.04. erscheinen wird, richtet sich jedenfalls nicht nur an Jazzfans. Was immer dieser Satz auch heissen mag. Also darf es bei den Akkorden in ihrer Musik auch ein Ton mehr sein? Wo doch die Wohnung doch schon so klein und teuer geraten ist?

Grüßt abschließend mit einem Septakkord vom alten Sofa!

Euer:
Staatsakt.