Zu Spät

Ich habe wirklich sehr lange darüber nachgedacht: Was mache ich nur an meinem 50. Geburtstag?
Ein Konzert? Eine Spendenaktion? Eine Party? In diesen anstrengenden Zeiten? Irgendwie gerade keine Lust dazu. Liegt das etwa schon am Alter?
Möglicherweise waren auch die vielen tollen 20-Jahre-Staatsakt-Feierlichkeiten im letzten Herbst auch erstmal genug Feierei. Das Trennen von Beruflichem und Privaten in diesen Sphären ja eh so gut wie unmöglich. Was ja auch sehr schön ist. Meistens jedenfalls.
Aber dann wirklich gar nichts weiter unternehmen?

Chthuluzän

Das Ende des Anthropozäns scheint noch lange nicht in Sicht. Bzw: Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis das Anthropozän als Zeitalter überhaupt allgemein anerkannt sein wird.
So lange werden auf unserer Welt die crazy Frisurmenners von Trump bis Wilders alles daran setzen, andere Ursachen für den Zustand und die Probleme der Welt zu finden. Ausländer zum Beispiel. Möglicherweise sind diese Frisuren ja der Ausdruck einer toxischen Verweigerungshaltung.
Aber wie bewerten wir dann die Frisur von Alice Weidel?

Licht, Fleiß und Chemsex

Frohe Noises 2024! Etwas spät, zugegeben, aber es kommt von Herzen.
Trotz extrem schwieriger gesamt-gesellschaftlicher Umstände freuen wir uns auf das neue Jahr mit Euch. Es gibt ja Theorien, dass politische Kackzeiten sehr tolle Musik hervorbringen sollen.
An dieser Stelle wird gerne Punk ins Spiel gebracht. Oder Reggae. Oder Rock aus dem Geiste der 68er-Protestbewegung.
Nun, diese These tröstet uns insofern, als der Mensch für das politischen Unvermögen und der daraus resultierende Handlungsunfähigkeit seiner Alphatiere zumindest in den Subkulturen seine Wünsche und Bedürfnisse nach entsprechenden Richtungswechseln ansprechend artikuliert bekommt.

Mama, ich habe die Welt kaputt gemacht!

Wir verabschieden uns in unserer kleinen Nische aus unserem 20-Jahre-Jubiläumsjahr heraus mit drei schönen Video-Arbeiten. Zum einen gibt es etwas neues von Barbara Morgenstern, die sich bei der alten Suche nach den inneren Saiten, die auch ihre Musik in uns so schön zum klingen bringt, offensichtlich im Wald verlaufen hat.
Es gibt den fast obligatorischen, adventlichen Jahres-Abschiedsgruß vom Mac DeMarco der deutschen Comedy (Friedemann Weise).
Und es gibt endlich „Kapitalismus Blues Band – Der Film“. Das finale Machwerk unserer Haus- und Hofband. Erfahren wir also endlich, wie die Geschichte mit unserem Lieblings-KI-Regiesseur Patrick Wengenroth auf Markus S Fielders Festplatte zu Ende gegangen ist.

Schiff Ohne Kapitän

Seit Tagen schon herrscht große Aufregung in unserem Büro: Eine neue Schorsch Kamerun Single. Auf Staatsakt. Und dann auch noch eine, die explizit gegen Krieg ist!
Ja, habt ihr denn den Schuss nicht gehört? Was soll das jetzt? Der Soundtrack für die neue Wagenknecht-Partei, oder was? Ihr verpeilten Putin-Versteher! (Hören wir die Leute sagen!)
Fürwahr: Nichts fühlt sich am Ende diesen Jahres verbotener an, als gegen Krieg zu sein.
Gegen das massive Aufrüsten, gegen den erstarkenden Kriegsapparat und gegen die zermürbenden Strategien unserer Chefstrateg:innen.

Geld & Gefühl

Tja, wie geht’s jetzt weiter?
Wer leiht uns Deutschen jetzt 60 Milliarden – wenn nicht wir selbst uns selbst?
Zu schade, dass ausgerechnet Peer Steinbrück als SPD-Finanzminister 2009 die Schuldenbremse eingeführt hat, nachdem er 2008 die Banken gerettet hatte, und die EZB zum Dank den Leitzins massiv angehoben hat.
Danke dafür.
Eigentlich war es eine kreative Idee von Scholz & Friends, das bereits selbst genehmigte Sondervermögen aka Kredit für Corona-Schieflagen in die Energie-Transformation dieses Staates zu stecken.

Spinnen die?

Nein, wir meinen damit nicht unsere Bundesregierung, die einen Kredit aus einem Sondervermögen umgelegt hat, um die Welt damit ein kleines bisschen besser zu machen, aber damit leider gegen unsere good old Verfassung verstoßen hat.
Nein, wir meinen auch nicht die Berufsagitator:innen von der AfD, die zwar auch ständig gegen die Verfassung verstoßen, darum aber trotzdem in allen Parlamenten bleiben dürfen.
Nein, wir reden jetzt auch nicht von all den laufenden Kultur-Kürzungen vom Berliner Senat (Hallo X-Jazz!) bis zu den geplanten Schließungen einiger Goethe-Institute im Ausland.

In anderem Licht

Während unserer Feierlichkeiten ist die Situation in Israel und dem Gaza-Streifen leider unfassbar eskaliert. Das hat uns natürlich ganz schön getroffen und die Stimmung unterwegs verständlicherweise getrübt. Zumal wir auch die zutiefst erschreckenden Bilder aus Berlin nicht fassen konnten: Davidsterne an Häusern und auf Gehwegen, antisemitische Pöbeleien, jüdische Kinder, die sich nicht mehr zur Schule trauen, ihre Väter, die es nicht mehr wagen, öffentlich die Kippa zu tragen: Und das fast 80 Jahre nach dem Holocaust!

Liebe Freund:Innen der erwachsenen Underground Kultur!

Wir sind’s schon wieder. Eure Staatsaktis! Nach gut überstandener Gala im HAU am letzten Wochenende (es war wirklich sehr toll, danke an alle!) geht’s hier schon wieder weiter, wie es eben immer weiter gehen muss! Denn heute erschein mit Kapitalismus Blues Band das sechste Album unserer Haus- und Hofband Die Türen und es gibt eine große 20-Jahre-Staatsakt-Geburtstags-Tournee, die nächste Woche Dienstag in Dresden (mit nichtseattle und Die Türen) startet und am 28.10.23 im Festsaal Kreuzberg (mit Isolation Berlin, Christiane Rösinger, Jens Friebe, nichtseattle und Die Türen) endet.

Apocalypso

der sommer geht zu ende
und es wird zeit
den apocalypso zu tanzen
ein tanz
der sehnsucht und veränderung

die zeitenwende beschwörend
die katastrophe swingt mit
kann aber auch vermieden werden
vielleicht tänzeln wir daran vorbei
schlingeln uns durch
wie schon so oft

denken müssen wir
und tanzen
um nicht zu verknoten
mit dem ressentiment
und dem kapital

staying with the trouble