Zeitschleife

Welches Jahr schreiben wir eigentlich gerade? Wir scheinen alle in einer Art Zeit-Loop gefangen. Friedrich Merz will Kanzler werden und Die Ärzte grinsen nach wie vor frech vom Musikexpress-Cover. Die beste Band der Welt! Nee, klar. Schon verstanden.
Wir haben die Zeitschleife noch etwas weiter gedreht und präsentieren euch heute ein neues Lied von Kurt Tucholsky! Was? Der Kurt Tucholsky? Ja, genau. Sein neuer Song Zuckerbrot & Peitsche wurde nicht etwa von einer KI generiert, sondern von Robert Stadlober gesungen und komponiert. Denn der Liedtext war ursprünglich nur ein Gedicht.

Eingestiegen und Angefangen

Ja, gefühlte Wahrheiten, um an dieser Stelle auch mal Jochen Distelmeyer zu zitieren.
Heute schauen sich die Leute 6 Stunden Maximilian Krah bei Jung & Naiv an und fragen sich, an welcher Stelle dieser Right-Wing-Typ argumentativ zu widerlegen ist und wo es schwierig wird und warum. Als ob Populismus jemals etwas mit feiner Dialekt zu tun gehabt hätte. Ja, viel Spaß beim Faktencheck!

Hausmusik

Mein Großvater war Fliesenleger, mein Vater war Fliesenleger. Der Geruch von Speis (nicht spice) ist mir seit dem Kleinkindalter vertraut. Sowie der Sound der Speismaschine.
Ich bin in einer Neubausiedlung Nähe der holländischen Grenze aufgewachsen. Dort wurde eigentlich ständig gebaut: Einfamilienhäuser. Doppelhaushälften. Die Straßen geteert, die Gärten eingezäunt. Gespielt habe ich mit den Nachbarkindern am liebsten in Rohbauten und den davor aufgeschütteten Sandbergen.
So hat mich das Bauwesen am Ende sicher mehr geprägt als die Landwirtschaft, obwohl die westfälische Heimat ursprünglich mal eine Bauerngegend war.

Hudey Hudey Dem Dem

Wir haben etwas Musik mitgebracht, die durchaus andockfähig ist, was feministische Diskurse angeht. Wobei es in diesen Songs vor allem um Beziehungsfragen und Ängste geht. Aber aus weiblicher Sicht erzählt. Mit Ausnahme von NITSCH am Ende, da geht’s eher um toxische Männlichkeit und Macho-Attitüde. Aber genau die macht diesen Tag heute ja so unverzichtbar! Vor allem die aus der ganzen Macho-Scheiße über Jahrtausende gewachsenen, immer noch real existierenden schreienden Ungerechtigkeiten: Wir denken an unbezahlte oder schlecht bezahlte Care-Arbeit, an Gewalt gegen Frauen, an permanente Unterdrückung, an ungleiche Karrierechancen oder an die in der Prekarität lebenden alleinerziehenden Frauen.

Do you love me when I’m dead?

Hier geht es schon wieder munter weiter: „Heavy duty, let’s work“. Ein typischer 90er Claim auf den T-Shirts von der Stange, die heute im Vintage-Laden locker 40 Euro kosten! Wir haben gleich zu Beginn dieses Letters noch einen viel schöneren Claim für Euch: Do you love me when I’m dead? Coming-Of-Age Herzschmerz-Wahnsinn im 90th Indierock-Style aus dem Ruhrgebiet! Hier kommt EAT THEM, meine Damen und Herren. Dahinter steckt der Musiker Johannes Hochmann, der bis zum heutigen Tag schon mehr als 20 Alben im Alleingang aufgenommen hat. Und keine Boomer-Angst, Johannes ist gerade mal Mitte 20, und hat schon im Alter von 14 angefangen Musik aufzunehmen, die er dann für seine Oma auf CDs gebrannt hat. Wenig später dann der eigene Bandcamp-Account. Nun erscheint im Juni eine Art Best-Of-Collection aus den ersten 10 Jahren seines kreativen Schaffens: EAT THEM ALL!

Zu Spät

Ich habe wirklich sehr lange darüber nachgedacht: Was mache ich nur an meinem 50. Geburtstag?
Ein Konzert? Eine Spendenaktion? Eine Party? In diesen anstrengenden Zeiten? Irgendwie gerade keine Lust dazu. Liegt das etwa schon am Alter?
Möglicherweise waren auch die vielen tollen 20-Jahre-Staatsakt-Feierlichkeiten im letzten Herbst auch erstmal genug Feierei. Das Trennen von Beruflichem und Privaten in diesen Sphären ja eh so gut wie unmöglich. Was ja auch sehr schön ist. Meistens jedenfalls.
Aber dann wirklich gar nichts weiter unternehmen?

Chthuluzän

Das Ende des Anthropozäns scheint noch lange nicht in Sicht. Bzw: Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis das Anthropozän als Zeitalter überhaupt allgemein anerkannt sein wird.
So lange werden auf unserer Welt die crazy Frisurmenners von Trump bis Wilders alles daran setzen, andere Ursachen für den Zustand und die Probleme der Welt zu finden. Ausländer zum Beispiel. Möglicherweise sind diese Frisuren ja der Ausdruck einer toxischen Verweigerungshaltung.
Aber wie bewerten wir dann die Frisur von Alice Weidel?

Licht, Fleiß und Chemsex

Frohe Noises 2024! Etwas spät, zugegeben, aber es kommt von Herzen.
Trotz extrem schwieriger gesamt-gesellschaftlicher Umstände freuen wir uns auf das neue Jahr mit Euch. Es gibt ja Theorien, dass politische Kackzeiten sehr tolle Musik hervorbringen sollen.
An dieser Stelle wird gerne Punk ins Spiel gebracht. Oder Reggae. Oder Rock aus dem Geiste der 68er-Protestbewegung.
Nun, diese These tröstet uns insofern, als der Mensch für das politischen Unvermögen und der daraus resultierende Handlungsunfähigkeit seiner Alphatiere zumindest in den Subkulturen seine Wünsche und Bedürfnisse nach entsprechenden Richtungswechseln ansprechend artikuliert bekommt.

Mama, ich habe die Welt kaputt gemacht!

Wir verabschieden uns in unserer kleinen Nische aus unserem 20-Jahre-Jubiläumsjahr heraus mit drei schönen Video-Arbeiten. Zum einen gibt es etwas neues von Barbara Morgenstern, die sich bei der alten Suche nach den inneren Saiten, die auch ihre Musik in uns so schön zum klingen bringt, offensichtlich im Wald verlaufen hat.
Es gibt den fast obligatorischen, adventlichen Jahres-Abschiedsgruß vom Mac DeMarco der deutschen Comedy (Friedemann Weise).
Und es gibt endlich „Kapitalismus Blues Band – Der Film“. Das finale Machwerk unserer Haus- und Hofband. Erfahren wir also endlich, wie die Geschichte mit unserem Lieblings-KI-Regiesseur Patrick Wengenroth auf Markus S Fielders Festplatte zu Ende gegangen ist.

Schiff Ohne Kapitän

Seit Tagen schon herrscht große Aufregung in unserem Büro: Eine neue Schorsch Kamerun Single. Auf Staatsakt. Und dann auch noch eine, die explizit gegen Krieg ist!
Ja, habt ihr denn den Schuss nicht gehört? Was soll das jetzt? Der Soundtrack für die neue Wagenknecht-Partei, oder was? Ihr verpeilten Putin-Versteher! (Hören wir die Leute sagen!)
Fürwahr: Nichts fühlt sich am Ende diesen Jahres verbotener an, als gegen Krieg zu sein.
Gegen das massive Aufrüsten, gegen den erstarkenden Kriegsapparat und gegen die zermürbenden Strategien unserer Chefstrateg:innen.