Nothing Deluxe
So allmählich bekommen wir eine Idee vom neuen Wachstumsmotor für Deutschland: Die Lohnnebenkosten steigen einfach weiter an, aber Überstunden werden bald zum Teil von der Besteuerung befreit sein. So zwingt man die arbeitende Bevölkerung also in die Mehrarbeit und verringert möglicherweise die Schwarzarbeit in gewissen Branchen – aber das Problem der chronischen Unterfinanzierung des Sozialstaats schiebt man weiter in irgendwelche Kommissionen und sogenannte Expert:innengremien. Mit dem Ziel, ihn weiter abzubauen.
Da werden auch die gerade gern genannten Menschen in „Lifestyle-Teilzeit“ sicher noch ein paar Euronen dazu erwirtschaften – spätestens, wenn die Miete demnächst wieder steigt! Wobei das Angebot für die steuerfreien Überstunden ja nur für Vollzeitbeschäftigte gelten soll. Ob das am Ende dem Bundesverfassungsgericht gefallen wird?!
Der Mittelstand mit seinen Hidden Champions wird – zumindest was die Erbschaftssteuer angeht – weiter in einen Topf mit der Industrie geworfen. Damit sich wirklich niemand Sorgen um sein bevorstehendes Erbe machen muss.
Und dann ist da auch noch diese saublöde AfD, die im Moment auf Bundesebene zwar kaum wahrzunehmen ist – von ihren üblichen apokalyptischen Prophezeiungen und MAGA-Sympathiebekundungen abgesehen – Aber klar: Wir stehen vor fünf Landtagswahlen!
Da haut man gerade als Unionspolitiker schon mal extra zünftig auf den Tisch. Also erstmal weiter fleißig nach der Vulkan-Gruppe fahnden!
Aber wir wollten heute eigentlich gar nicht über die Arbeit, sondern über die Kunst sprechen. Selbstverständlich macht auch die Kunst dem Menschen sehr viel Arbeit. Sie wird aber nicht als Arbeit im Sinne der Lohnarbeit empfunden, sondern eher als etwas Ganzheitliches. Rituelles, Spirituelles, Transzendentales – ja, okay, wir kommen ja schon wieder runter: immer auch Handwerkliches! Leiten wir also an dieser Stelle mit einem handgemachten, groovy Beat über zu:
Seeds Of The Unknown
Ja, heute erscheint bei unserem outernational Sublabel Fun In The Church die erste Single von Max Turner aus seinem im Mai erscheinenden neuen Album Seeds Of The Unknown. Ja, werden sich viele Leser:innen gerade denken, das ist ja schön.
Aber wer ist Max Turner?!
Für uns ist er eine lebende Legende. Er war Mitbegründer der Puppetmastaz, Berlins legendärem Hip-Hop-Puppentheater, bei dem auch Patric Catani oder Chilly Gonzales mit von der Partie waren. Dann gründete er in Barcelona mit Marcus Roosknecht das Pop-Dub-Duo The Meteorites und brachte mit The Purple Pro als Solo-Artist eines der besten Hip-Hop-Alben aus dem Europa der Nullerjahre heraus.
Bezeichnend für Max Turner ist, dass dieses Album bis heute nicht im Internet zu finden ist.
Dann verschwand er für viele Jahre in Südindien, wo er klassische Musik studierte und kurzfristig die Band The Migrations betrieb, bis er pünktlich zur Pandemie wieder in Europa auftauchte, um sofort wieder abzutauchen. Von The Migrations erschien übrigens während der Pandemie eine 7“-Single bei Fun In The Church.
Nun erscheint also endlich das fertige Album! Aber heute gibt es erstmal die erste Singleauskopplung Nothing’s Pure! Ein Song, der unser binäres Schwarz-Weiß-Denken spielerisch wie ein Kind mit seinem Wasserfarben-Malkasten auflöst. Und auch wenn Lyric-Videos immer schwierig sind: Das Video zu Nothing’s Pure ist wirklich sehr gelungen. Aber sehen Sie doch einfach selbst:
Emo Deluxe
Während sich Max Turner schon wieder irgendwo bei den Kelten in Schottland herumtreibt, bringt das junge Pop-Duo ELFI aus Berlin heute seine selbstproduzierte erste EP heraus: Emo Deluxe! Für so eine Produktion hätten Bands in den 90er Jahren ein Studio mieten müssen, einen schlecht gelaunten, geschmacklich sehr fragwürdigen männlichen Produzenten vorgesetzt bekommen und locker 5000 Mark auf den Tisch gelegt. Schon erstaunlich, wozu junge Musiker heute selbst in der Lage sind. Klar, SST-Platten waren auch toll, und die von Shimmy-Disc oder Guided By Voices. Oder New-Wave-Schlafzimmerplatten! Also ja, DIY-Aufnahmen gibt es, solange es Labels in Indiehausen gibt. Und sie waren ästhetisch fast immer interessanter als das, was aus den professionellen Studios kam. Und das ist eben auch heute noch so!
All die Zeit jedenfalls, die ELFI in diese EP gesteckt haben, bleibt selbstverständlich erstmal unbezahlt. Darum kauft doch heute am Bandcamp-Friday diese EP für schlappe 6 Euro im Internet! Dafür gibt es bei Burgermeister nicht mal den Veggie-Burger:
https://staatsakt.bandcamp.com/album/emo-deluxe-ep
Und kommt nächste Woche zu ELFIs erster Headline-Show in die Berghain-Kantine. Hier kann man noch Tickets kaufen:
https://tickets.drift-booking.com/product/90838/elfi-kantine-am-berghain-berlin-am-10-02-2026
Und wo wir schon in Berlin sind: Wir haben letzte Woche sträflich verpasst, den Video-Link zu „Keiner stirbt mehr“ von Otto Von Bismarck zu teilen. Das holen wir hier abschließend noch mal nach:
Meanwhile in Japan: Eine Bar, in der Menschen bei Free Drinks darüber nachdenken können, ihren Job an den Nagel zu hängen:
Wünscht Euch allen die notwendige Ruhe und Gelassenheit für die richtigen Entscheidungen!
Euer:
Schlafwagenschaffner im Winter 2026




