So haben wir uns gleich zu Beginn dieses Monats dazu entschieden, die erste Single aus dem am 25.09. erscheinenden neuen Nichtseattle-Doppelalbum Große Liebe zu veröffentlichen. Die Single trägt den Titel Dallas und erinnert uns an die legendäre TV-Serie mit Romeo-und-Julia-Sujet im texanischen Ölgeschäft. Das Leben der Reichen und Schönen auf der Southfork-Ranch. Die dort sesshafte Familie Ewing verfügte über eigene Ölquellen und musste sich über aufmüpfige OPEC-Staaten im Nahen Osten keine Sorgen machen. Ganz im Gegenteil: Davon profitierte sie! Aber der eigentliche Treibstoff der Serie waren Affären und Intrigen. Der Patriarch J.R. Ewing, gespielt von Larry Hagman, hat das Fernsehpublikum schon in den 80er und 90er Jahren auf den Vibe des MAGA-Imperiums vorbereitet. Naja, streng genommen waren die Herren der Reaganomics ja auch schon ziemlich MAGA. „Let’s make America great again“ stand schon damals in der Hitparade ganz weit oben!
Kann denn Liebe Indie sein?
Hätte uns vor 20 Jahren jemand erzählt, dass wir einmal ein Album von Die Regierung herausbringen würden, wir hätten es für einen schönen Witz gehalten.
Aber wie sagte erst gestern noch Gunther Osburg zum Schreiber dieser Zeilen:
„Du musst mal raus aus Deinem linearen Mindset“.
Denn heute erscheint das bereits fünfte Album von Die Regierung in nur neun Jahren auf staatsakt. Immer Unbekannt knüpft nahtlos an die Vorgänger-LP Nur an, nur dass die neue Produktion noch viel mehr nach D.I.Y. im Sinne von sagen wir Guided-By-Voices-Platten klingt.
Nothing Deluxe
So allmählich bekommen wir eine Idee vom neuen Wachstumsmotor für Deutschland: Die Lohnnebenkosten steigen einfach weiter an, aber Überstunden werden bald zum Teil von der Besteuerung befreit sein. So zwingt man die arbeitende Bevölkerung also in die Mehrarbeit und verringert möglicherweise die Schwarzarbeit in gewissen Branchen – aber das Problem der chronischen Unterfinanzierung des Sozialstaats schiebt man weiter in irgendwelche Kommissionen und sogenannte Expert:innengremien. Mit dem Ziel, ihn weiter abzubauen.
Freshe Floskeln
Man muss sich als Label auch mal Fehler eingestehen.
Wir haben die Single Alles ist billig von Otto Von Bismarck mindestens zwei Wochen zu früh heraus gebracht. Heute zum Black Friday, auf dem Zenith der Black-Week angekommen, das wäre es doch gewesen!
„Aber hey!“, wollte ich jetzt schreiben. Dabei habe ich neulich noch bei Dax Werner auf seinem Bluesky-Account gelesen, dass nur Gen-X-Typen in meinem Alter noch die Floskel „Aber hey“ nutzen, um damit eine gewisse Lässigkeit vortäuschen.
Als Berufsjugendlicher sollte man natürlich aufpassen, sich mit veraltetem Vokabular nicht komplett verdächtig zu machen!
Fahrendes Volk (Dub-Version)
Zentrale Fragen im Musikgeschäft: Bringe ich ein Album heraus, um endlich wieder auf Tour zu gehen, oder fahre ich auf Tour, um mein neues Album zu promoten.
Die Zeiten, in denen sich eine Band einfach so einen guten Liveruf erspielen konnte, sind weitestgehend vorbei. Wobei das möglicherweise auch gar nicht so stimmt, und nur eine über viele Jahre nachgeplapperte Erzählung ist, von der am Ende vor allem Ticketing-Firmen und Streaming- wie Social-Media-Plattformen profitieren.
Das Geschäft der Aufmerksamkeitsökonomie.
Ja, genau liebe Veranstalter:innen! Hängt doch einfach mal wieder ein Poster auf oder ruft Eure liebsten Freunde an!