Liebe, Business und Demokratie

Wir könnten jetzt kilometerlange Texte über Jens Spahn, dem Maskenmann des Kapitals schreiben, über andere Dealmaker und Dealbreaker dieser Welt, über die Sommer-Stürme in Berlin oder über das Business-Modell NATO, ohne jetzt gleich schon wieder ein Putin-Versteher zu sein, versteht sich!
Aber wir schreiben lieber über neue Musik, denn es ist am Ende das einzige, wofür wir auch bezahlt werden.

Den Anfang machen PAULS JETS, die heute mit dem vielleicht längsten Songtitel des Jahres auftrumpfen: Ich habe Angst so ohne dich kann ich nicht leben oder kann ich doch ich glaub schon aber schön ists nicht. Der Titel ist jedenfalls so lang, dass er mit dem Bandnamen zusammen nicht in die You-Tube-Titel-Beschreibung passt.
Der Song ist sehr toller Britpop aus Wien mit extra schmissigem La-La-La-Mitsingteil am Ende des Songs. Songwriter Paul Buschnegg bleibt ein absurdes Ausnahmetalent was die Schnittstelle von Alltagspoesie und Metaphysik angeht!

Die alltägliche FRONT

Während die einen Bilder vom Bruce Springsteen und seiner E-Street-Band aus dem Olympiastadion in Berlin posten, senden die anderen Brian Wilson Kondolenzen oder Fotos von Sabrina Carpenter als Hund.
Dazwischen die täglichen Gaza-Verzweiflungs-Beiträge mit grausamen Bildern, das „Gummigeschoss auf eine australische Reporterin in LA“- Meme und neueste Nicht-Erkenntnisse aus Graz. Ja, wie konnte das alles nur passieren?! Ja, wie…. Schrecklich!
Die Ukraine erlebt nach ihrer erfolgreichen Militäraktion von neulich die schwersten Gegenangriffe und ein namhafter Teil der SPD hat nun ganz offiziell keinen Bock mehr auf Aufrüstung und Krieg und möchte lieber wieder den Dialog mit Putin suchen.

Vor über 40 Jahren gab sich eine Band aus Hamburg den Namen FRONT, und verarbeitete in ihrer Musik den Wahnsinn ihrer Zeit. Damals war der Krieg zwischen West und Ost zwar noch kalt, aber nicht weniger bedrohlich.

Zart & Zeit

Ich könnte stundenlang darüber nachdenken, ob „Zeit & Zart“ oder „Zart & Zeit“ die richtige Überschrift für diesen Newsletter ist. Dabei sind Zeit und Zart einfach nur die Titel unserer Singles der Woche im ersten Staatsakt-Newsletter unter Bundeskanzler Friedrich Merz, der ja nun entschieden gegen die Viertagewoche und einer wie auch immer gearteten „Work-Life-Balance“ anregieren möchte. Ja, so kann es wirklich nicht weitergehen!

Der Spiegel verkündete gleich zu Beginn dieser Woche, dass Deutschland seine Klimaziele nun doch erreichen wird, und das nicht etwa aus politischer Überzeugung, sondern wegen der schlechten Konjunktur.

Fahrendes Volk (Dub-Version)

Zentrale Fragen im Musikgeschäft: Bringe ich ein Album heraus, um endlich wieder auf Tour zu gehen, oder fahre ich auf Tour, um mein neues Album zu promoten.
Die Zeiten, in denen sich eine Band einfach so einen guten Liveruf erspielen konnte, sind weitestgehend vorbei. Wobei das möglicherweise auch gar nicht so stimmt, und nur eine über viele Jahre nachgeplapperte Erzählung ist, von der am Ende vor allem Ticketing-Firmen und Streaming- wie Social-Media-Plattformen profitieren.
Das Geschäft der Aufmerksamkeitsökonomie.
Ja, genau liebe Veranstalter:innen! Hängt doch einfach mal wieder ein Poster auf oder ruft Eure liebsten Freunde an!

Everybody loves the sunshine

Erst gestern noch Chat-GPT nach guten Zöllner-Witzen befragt. Kam wirklich nur Bullshit raus! Die KI aber schien im Prompt-Verlauf sehr angetan vom „eigenen Humor“.
Naja, am Internet war nicht alles schlecht, werden wir später einmal unseren Enkelkindern erzählen.
Zum Beispiel diese schöne Geschichte hier:
Der Istanbuler DJ Bey entdeckte als Fan von Ozan Ata Canani im World Wide Web diese alte Fernsehreportage:

Front und Träume

Während in den Medien gerade immer wieder die Realität mit dem „Project 2025“ abgeglichen wird, also dem vorab veröffentlichten politischen Fahrplan der aktuellen Trump-Administration, dessen Existenz Trump im Wahlkampf selbstverständlich noch leugnete, fragt sich der eher links aufgestellte Kulturmensch zur Zeit, wovon man in so einer verlogenen Welt eigentlich noch träumen kann.
Wenn deutsche Politiker:innen sich in Talkshows damit rühmen, dass es doch ein Zeichen einer funktionierenden Demokratie sei, dass man überhaupt noch miteinander rede nach einem so harten, ebenfalls verlogenen Wahlkampf, möchte man schon fast eine Kerze für unsere neue Arbeitskoalition anzünden. Ja, möge das viele Geld, dass ja auch schon wieder nicht reichen wird, etwas nützen. Ja, geht bitte mit Gott, denn Gott hat ein unendlich großes Sondervermögen für uns:
Die Liebe.

The artist formally known as GroKo and a Songbook

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe des Staatsakt-Newsletters, dem unermüdlichen Organ unseres kleinen Pop-Betriebs.
Wir freuen uns heute mit Euch über das Erscheinen von Songbook, dem nach Woanders (2021) zweiten Masha Qrella Album auf unserem Label.
„Songbook“ ist eine Art künstlerische Bestandsaufnahme: Was in der Zwischenzeit im Leben dieser Künstlerin alles so passiert ist. Es ist aber genauso gut ein Album, das uns davon erzählt, was aus welchen Gründen auch immer eben nicht passiert ist. Ein Album mit Musik aus Wünschen und Träumen. So wie jede gute Popplatte.

Superspace?! Wow!

Da hat es diese Woche doch glatt unser good old BND geschafft, den Trump-Brothers für einen Moment die Show zu stehlen. Naja, strenggenommen waren es ein paar investigative Journalist:innen von SZ, NZZ und ZEIT, die herausgefunden haben, dass der BND offenbar schon 2020 gewusst haben will, das der Corona-Virus eben doch aus einem Labor in Wuhan entflohen, und nicht von irgendwelchen Fledermäusen auf den Menschen übergesprungen ist!
Das Kanzleramt hielt den Laborunfall wohl schon unter Merkel aber auch unter Scholz unter Verschluss. Allerdings muss man sagen, das es wohl nur mit einer 80-95% Wahrscheinlichkeit so ist! Man muss allerdings auch sagen, dass schon bei wesentlich geringeren Wahrscheinlichkeiten ganz andere mediale wie politische Fässer aufgemacht wurden. Ja, als ob wir in einer Kultur der belastbaren Fakten leben würden! Also wirklich.

Like a Polaroid picture

Es gibt aktuell wohl kein fiktives Unterhaltungsformat, das mit den täglichen Meldungen und Bewegtbildern aus dem weißen Haus mithalten kann. Ein Drama, ein Polit-Thriller und eine unfassliche Real-Satire in einem.

Das bewusst Anti-Intellektuelle, Mafia-Gang-mäßige, Macho-hafte, brutale wie skrupellose herrschaftliche Auftreten von Trump & Co. nimmt gerade jeden Tag so viel Raum ein, das eine neue Pop-Single eines Indiesternchens aus deutschen Landen ungefähr den Neuigkeitswert einer Werbe-Anzeige eines Produkts aus dem Hause Rügenwalder im kostenlosen Wochenblättchen hat.
Ja, genau: Das Veggieschnitzel diese Woche nur 2,90 Euro! Dabei explodieren gerade an anderer Stelle die Rindfleischpreise! Und zack! Da ist sie auch schon wieder. Die Forderung nach einer Dönerpreisbremse! Zugegeben: Das hat schon etwas mehr Punch…

Schlager, Krieg und Richtungswahl!

Schon seit vielen Jahren träumen wir im Hause Staatsakt von einem echten Schlagerstar im Artist-Roster. Und eigentlich war schon seit Jahren klar, das es sich bei diesem Star nur um die Sängerin und Schauspielerin Verena Unbehaun handeln kann. Jetzt hat es gefühlt 20 Jahre gedauert, aber wir sind heute umso glücklicher, endlich die erste Unbehaun-Single Schrei auf dem Balkon veröffentlichen zu dürfen.
Ihre Melange klingt für uns einfach perfekt: Die Schlagerromantik der BRD-1 (zwischen Frankfurter Kranz und Frankfurter Schule), durchkreuzt mit der für die Generation-X typische ironische Distanzierung hin Bataille-esquen körperlichen Entgrenzungs- und Verschwendungsfantasien der Theatergegenwart zwischen Paul McCarthy und Florentina Holzinger. Unbehaun begibt sich in all das für uns hinein (dort wo es weh tut!), stolpert, schluchzt, stottert, haut die Lockenwickler rein, schüttelt sich, häutet sich und wird schließlich zu einer tänzelnden Schlager-Spinne mit 8 tapferen Beinchen. Am Ende ist sie einfach nur noch erschöpft von sich selbst!