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Zart & Zeit

Liebe Leser:Innen!

Ich könnte stundenlang darüber nachdenken, ob „Zeit & Zart“ oder „Zart & Zeit“ die richtige Überschrift für diesen Newsletter ist. Dabei sind Zeit und Zart einfach nur die Titel unserer Singles der Woche im ersten Staatsakt-Newsletter unter Bundeskanzler Friedrich Merz, der ja nun entschieden gegen die Viertagewoche und einer wie auch immer gearteten „Work-Life-Balance“ anregieren möchte. Ja, so kann es wirklich nicht weitergehen!

Der Spiegel verkündete gleich zu Beginn dieser Woche, dass Deutschland seine Klimaziele nun doch erreichen wird, und das nicht etwa aus politischer Überzeugung, sondern wegen der schlechten Konjunktur.

Naja, wir können die schlechte Stimmung ja noch mit etwas mehr Kulturkampf anheizen. Dafür hat man uns doch extra Wolfram Weimer als Kulturstaatsminister vor die Nase gesetzt, oder?
Der findet einfach immer das Gegenteil von dem richtig, was wir richtig finden.
Er provoziert mit völkischen Thesen und freut sich sicher schon auf die nächsten Wagner-Festspiele. Zum Winzersektempfang mit anderen Gefolgsleuten von Ring & Gold.

Apropos Wagner: Die ganz Aufregung der letzten Tage bei den GEMA-Mitglieder:innen, was die Gleichsetzung von E- und U-Musik und gewisse Umverteilungsfragen angeht, war erstmal umsonst. Der Antrag wurde abgelehnt.

Auch darüber kann man sicher Tagelang debattieren, ob unserer Gesellschaft E- und U-Musik weiterhin unterschiedlich bewerten sollte, oder nicht. Ob ein Staat sich weiterhin Komponist:innen der Neuen Musik leisten kann, auch wenn kaum jemand zuhört. Andererseits verdienen Major-Verlage und ihren Komponist:innen und Texter:innen mit sehr viel Schrottpop massiv viel Geld, und das trotz der vorhandenen E- und U-Musik-Unterschiede. Und ob Indiemusiker:innen nun unbedingt E-Musiker:innen etwas wegnehmen wollen, steht auf einem ganz anderen, unbeschriebenen Notenblatt. Musik ausschließlich nach Popularität, also nach Marktkriterien zu bewerten, ist jedenfalls keine gute Idee. Als hätten sich am viel beschworenen Markt immer nur die besten Ideen durchgesetzt.

Am Ende – Talent einmal vorausgesetzt – ist Erfolg doch auch immer eine Frage der Beharrlichkeit.
Eine gerechtere Umverteilung aber ganz sicher auch!

Oder um an dieser Stelle auch mal Alexander Kluge zu zitieren: „Es gibt keinen unbezwingbaren Drachen!“ Aber dieses Argument möchte ich jetzt lieber für uns behalten. Für Wolfram Weimer & Co. gilt es selbstverständlich nicht! Da sind wir jetzt einfach mal der unbezwingbare Drache.
Ja, so einfach ist das. Er weiß ja nichts davon.

Vom Klassik-Drachen zum ewig swingenden Außenseiter: Dem Jazz. Die Jazzmusiker:innen kämpfen ja auch alle immer mit viel Rhythmus und Lärm um den E-Musik-Status, weil sie auch irgendwie um die Runden kommen müssen und eben kein Massenpublikum bespielen.


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Kommen wir also zu Erik Leuthäuser (dem wir gerade beide Daumen drücken für den Deutschen Jazzpreis!) Er bringt heute seine neue Single Zart auf dem Markt.
In diesem Lied fragt Erik nach der Bedeutung der Liebe und sucht nach geeigneten Bildern. Ja, Liebe in Zeiten von ChatGPT, Insta-Reels und Stable Diffusion.
Wieder mit einem äußerst sehenswerten Video von Karl Neubart.
Ob dieser Song nun E- oder U-Musik ist?!
Keine Ahnung. Er berührt uns mit jedem einzelnen Vokal.


Und so wie sich Erik Leuthäuser in Zart den Fragen der Liebe stellt, stellt sich die Gruppe FRONT in Zeit einer großen metaphysischen Frage:. „Zeit, Zeit, was ist Zeit?! Sekunden, Stunden, Ewigkeit“ singt Sänger Joern Zimmermann im Song! Ja, als hätte er schon 1981 geahnt, das dieses Stück erst im Jahre 2025 veröffentlicht sein wird. Und klar, was sind schon 40 Jahre?! Ein Wimpernschlag in einer Popgotanzgruppe.

Das Album von FRONT, limitiert mit einem Bonus-Album, das die bereits in den 80er Jahren veröffentlichten EP und Samplerbeiträge enthält, erscheint immer noch am 30.05.2025.

Ja, ein Album aus der Vergangenheit, dessen Veröffentlichungsdatum immer noch in der Zukunft liegt. Halt auch eine Frage, ob diese ständigen Vorabsingles und Vorankündigungen, Pre-Sales und Linktrees in die Zukunft uns am Ende nicht alle zu totalen Prokrastinator:Innen machen! Weil wir einfach nie mehr in der Gegenwart leben, sondern immer nur in einer vor uns liegenden, Produkt-getriebenen Zukunft leben wollen, die aber nie wirklich eintritt. bzw. einfach nie das wird halten können, was die ganzen glitzernden Vorankündigungen uns jeden Tag so versprechen.

Sie meinen, das war auch schon vor dem Internet so?!

Ok.

Kommen wir lieber nochmal auf die Gegenwart von Erik Leuthäuser zu sprechen:

„Liebe ist zart, und am besten bewahrt, wie ein Flugzeug im Hangar der Zeit“.

Ach, welch Freude! „Zart“ und „Zeit“ in einer Songzeile. Und in der gleichen Reihenfolge wie in unserer Überschrift.

So verbleibt mit zarten, ganz und gar gegenwärtigen Grüßen in Richtung Wochenende geschielt:

Euer Staatsakt.

PS: Happy Release Day auch die Musikgruppe Songs For Joy für ihr neues Doppel-Album Auf der Veddel (A-Sexy-Records) und an die Hörspielgruppe OIL für Naturtrüb im Der-Diwan-Hörbuchverlag. Sei beides hiermit wärmstens empfohlen!

PPS: Selbstverständlich hält das FRONT-ALBUM, was es verspricht!