Like a Polaroid picture
Es gibt aktuell wohl kein fiktives Unterhaltungsformat, das mit den täglichen Meldungen und Bewegtbildern aus dem weißen Haus mithalten kann. Ein Drama, ein Polit-Thriller und eine unfassliche Real-Satire in einem.
Das bewusst Anti-Intellektuelle, Mafia-Gang-mäßige, Macho-hafte, brutale wie skrupellose herrschaftliche Auftreten von Trump & Co. nimmt gerade jeden Tag so viel Raum ein, das eine neue Pop-Single eines Indiesternchens aus deutschen Landen ungefähr den Neuigkeitswert einer Werbe-Anzeige eines Produkts aus dem Hause Rügenwalder im kostenlosen Wochenblättchen hat.
Ja, genau: Das Veggieschnitzel diese Woche nur 2,90 Euro! Dabei explodieren gerade an anderer Stelle die Rindfleischpreise! Und zack! Da ist sie auch schon wieder. Die Forderung nach einer Dönerpreisbremse! Zugegeben: Das hat schon etwas mehr Punch…
Aber wir bleiben trotzdem am Ball, weil wir immer noch der festen Überzeugung sind, dass unsere Produkte dem inzwischen alltäglichen Wahnsinn hier drinnen und da draußen etwas erträglicher machen. Und es hängen ganz einfach viele tolle Menschen an all dem hier. Menschen, die täglich miteinander im kulturellen Austausch stehen! Und das halten wir für verdammt wichtig!
Den Anfang der heutigen Newsletter-Ausgabe macht die Hamburger Band FRONT. Und die kommt aus der Vergangenheit zu uns gereist, denn das heute in Digitalien erschiene Stück Polaroid stammt original aus dem Jahre 1981. Die Band hat damals 2 Single-EPs und einen Sampler-Beitrag auf dem legendären Lieber zu viel als zu wenig Sampler auf dem Hamburger Label ZickZack veröffentlicht und galt als die große deutsche Postpunk-Hoffnung. Leider löste sich die Band auf ihrem Weg zur Album-Produktion irgendwie in Luft auf.
Nun ist es Top-Ingenieuren gelungen, aus alten Proberaum-Tonband-Aufnahmen – die Band hatte damals für die bereits gebuchten Studio-Sessions fleißig geprobt – die Songs des damals geplanten Albums fertig zu produzieren.
Herausgekommen ist ein herausragendes Produkt zwischen NoWave, Funk und Dub, das Andreas Doraus These stützt, das FRONT Anfang der 80er Jahre die tollste Postpunk-Band in unseren Längen- und Breitengeraden gewesen ist. Allerdings fehlte genügend belastbares Material.
Das werden wir nun ändern! Am 30.05.2025 erscheint das lang ersehnte Album und dazu als Bonus eine re-mastered EP- und Singles-Kollektion. Die deutsche Postpunk-Erzählung muss also dringend nochmal überarbeitet werden!
Dieses remasterte Stück mit dem tollen Video vom späteren Formel-Eins-Produzenten Michael Bentele ist auch mit auf der Bonus-Platte enthalten. Und es ist wirklich verrückt! Sie haben anscheinend schon damals geahnt, wie es heutzutage auf Instagram & Co. zugeht!
Wir bleiben in den 80er Jahren! Etwa fünf Jahre nach dieser FRONT-Single veröffentlichte der US-Amerikanische Pop-Star Whitney Houston die Single I wanna dance with somebody (who loves me). Ein unaufhaltsamer Welthit! Er belegte noch 2023 im Billboard-Magazin Platz 1 der besten Pop-Songs aller Zeiten! Im Pitchfork-Magazin belegte er immerhin Platz 20 der besten Songs der 80er Jahre!
Nun hat Masha Qrella sich getraut, diesen Song zu covern. Laut Masha haben wir es mit einer Berliner Hinterhof-Version eines Welthits zu tun.
US-amerikanisches Top-Entertainment und Berlin. Ja, wie passt das heute zusammen?!
Es gibt ja nicht wenig junge Amerikaner:innen, die genau wegen der Idee einer solch slackerigen Hinterhof-Ästhetik ihr Glück in Berlin suchen.
Naja, wenige Jahre später kehren sie dann wieder zurück in die USA und lassen ihre Eindrücke und Einflüsse in ein Netflix-Drehbuch einfließen. Oder in ein Start-Up-Unternehmen!
Diese Version jedenfalls können wir uns tatsächlich sehr gut in einer neuen US-amerikanischen Serie vorstellen. Von Coming Of Age bis coming nicht mehr ausm Quark Film…
Das tolle Buchstabensuppen-Video jedenfalls ist von Diana Näcke!
Mashas Songbook erscheint wie geplant am 28.03.2025.
Wir bleiben in den USA, genauer in New York! Dort hat die Musikerin Maxine Troglauer das Instrument der Bassposaune studiert. Wer glaubt, dass die Jazztrompete ein Nischeninstrument ist, der sollte unbedingt in die Geschichte der Bassposaune eintauchen.
Maxine Troglauer ist DIE tonangebende Bassposaunistin in Deutschland – wahrscheinlich weit darüber hinaus – und legt nun bald im Alter von 30 Jahren ihr Debüt-Album vor. Zwischen Barock, Klassik, Neuer Musik, Jazz und Improv bewegt sie sich mit ihrem hochkarätigen Quintett, zu dem sogar der US-amerikanische Jazz-Trompeter Peter Evans gehört.
Die Aufnahmen wurde vom Deutschlandfunk in Köln produziert, und unser Tochterlabel Fun In The Church hat die große Ehre, dieses tolle Debütalbum auf Vinyl, CD und in Digitalien herauszubringen.
Der majestätische Klang ihres Instruments jedenfalls scheint über wirklich alles erhaben zu sein! Darum sollte sich jede(r) dieses Album unbedingt für den eigenen Hausgebrauch zulegen!
Es wird am 06.06.2025 erscheinen. Hier ein erster Eindruck:
https://open.spotify.com/album/5ygDLltcM657fj9Vs3EqfV?si=RPc-zlsQS_qFZYxaD6tsRw
https://music.apple.com/us/artist/maxine-troglauer/1685135898
Wo wir gerade bei den Blasinstrumenten sind: Chris Imler ist ein toller Trompeter! Dabei ist er vor allem für sein unnachahmliches Schlagzeugspiel bekannt. Sein viertes Album The Internet Will Break My Heart ist erst letzte Woche erschienen. Ob er wohl schon letztes Jahr, als er beschlossen hat, diesen Album-Titel zu wählen, diese Welt vom März 2025 vor Augen hatte?
Ja, menno, all die tollen Versprechungen von Web1.0 bis Web3.0! Also wir wissen es doch immer noch ganz genau: Wir hatten einen de-zentralen, anarchistischen Superspace im Kopf. Und keine Digitalautokratien! Hier jedenfalls das Album zum Trost als limitierte farbige Vinylausgabe bei HHV:
Schön zu lesen, dass inzwischen auch Claudia Roth eine Studie hat veröffentlichen lassen (Download der Studie unten auf dieser Seite), die belegt, wie kulturelle Pop-Vielfalt im Internet zwar theoretisch unendlich ist, aber eben nur ein Bruchteil aller Musiker:innen und Unternehmen davon profitieren kann. Überhaupt Gehör zu finden. Ja, wer hätte das für möglich gehalten?!
Dass der größte Prozentsatz dieser wenigen Künstler:innen bei Universal unter Vertrag sind, ist naturgemäß kein Zufall.
Insofern könnte man das gute alte Indie Vs. Major-Game vielleicht ja doch wieder aufleben lassen.
Es betrifft inzwischen allerdings ALLE Lebensbereiche.
Also ein Leben gegen Nazis und gegen die Majors?!
Das lassen wir gerne erstmal so hier im Internet stehen!
Jetzt müssen wir nur genauer definieren können, wofür wir denn am Ende eigentlich sein wollen!
Geld jedenfalls scheint – wie wir gerade in unserem Parlament sehen – unendlich viel da.
Es geht immer nur um den politischen Gestaltungswillen.
In diesem Sinne: Nur nicht kleckern!
Euer:
Staatsakt.






