Front und Träume

Während in den Medien gerade immer wieder die Realität mit dem „Project 2025“ abgeglichen wird, also dem vorab veröffentlichten politischen Fahrplan der aktuellen Trump-Administration, dessen Existenz Trump im Wahlkampf selbstverständlich noch leugnete, fragt sich der eher links aufgestellte Kulturmensch zur Zeit, wovon man in so einer verlogenen Welt eigentlich noch träumen kann.
Wenn deutsche Politiker:innen sich in Talkshows damit rühmen, dass es doch ein Zeichen einer funktionierenden Demokratie sei, dass man überhaupt noch miteinander rede nach einem so harten, ebenfalls verlogenen Wahlkampf, möchte man schon fast eine Kerze für unsere neue Arbeitskoalition anzünden. Ja, möge das viele Geld, dass ja auch schon wieder nicht reichen wird, etwas nützen. Ja, geht bitte mit Gott, denn Gott hat ein unendlich großes Sondervermögen für uns:
Die Liebe.

The artist formally known as GroKo and a Songbook

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe des Staatsakt-Newsletters, dem unermüdlichen Organ unseres kleinen Pop-Betriebs.
Wir freuen uns heute mit Euch über das Erscheinen von Songbook, dem nach Woanders (2021) zweiten Masha Qrella Album auf unserem Label.
„Songbook“ ist eine Art künstlerische Bestandsaufnahme: Was in der Zwischenzeit im Leben dieser Künstlerin alles so passiert ist. Es ist aber genauso gut ein Album, das uns davon erzählt, was aus welchen Gründen auch immer eben nicht passiert ist. Ein Album mit Musik aus Wünschen und Träumen. So wie jede gute Popplatte.

Superspace?! Wow!

Da hat es diese Woche doch glatt unser good old BND geschafft, den Trump-Brothers für einen Moment die Show zu stehlen. Naja, strenggenommen waren es ein paar investigative Journalist:innen von SZ, NZZ und ZEIT, die herausgefunden haben, dass der BND offenbar schon 2020 gewusst haben will, das der Corona-Virus eben doch aus einem Labor in Wuhan entflohen, und nicht von irgendwelchen Fledermäusen auf den Menschen übergesprungen ist!
Das Kanzleramt hielt den Laborunfall wohl schon unter Merkel aber auch unter Scholz unter Verschluss. Allerdings muss man sagen, das es wohl nur mit einer 80-95% Wahrscheinlichkeit so ist! Man muss allerdings auch sagen, dass schon bei wesentlich geringeren Wahrscheinlichkeiten ganz andere mediale wie politische Fässer aufgemacht wurden. Ja, als ob wir in einer Kultur der belastbaren Fakten leben würden! Also wirklich.

Like a Polaroid picture

Es gibt aktuell wohl kein fiktives Unterhaltungsformat, das mit den täglichen Meldungen und Bewegtbildern aus dem weißen Haus mithalten kann. Ein Drama, ein Polit-Thriller und eine unfassliche Real-Satire in einem.

Das bewusst Anti-Intellektuelle, Mafia-Gang-mäßige, Macho-hafte, brutale wie skrupellose herrschaftliche Auftreten von Trump & Co. nimmt gerade jeden Tag so viel Raum ein, das eine neue Pop-Single eines Indiesternchens aus deutschen Landen ungefähr den Neuigkeitswert einer Werbe-Anzeige eines Produkts aus dem Hause Rügenwalder im kostenlosen Wochenblättchen hat.
Ja, genau: Das Veggieschnitzel diese Woche nur 2,90 Euro! Dabei explodieren gerade an anderer Stelle die Rindfleischpreise! Und zack! Da ist sie auch schon wieder. Die Forderung nach einer Dönerpreisbremse! Zugegeben: Das hat schon etwas mehr Punch…

Schlager, Krieg und Richtungswahl!

Schon seit vielen Jahren träumen wir im Hause Staatsakt von einem echten Schlagerstar im Artist-Roster. Und eigentlich war schon seit Jahren klar, das es sich bei diesem Star nur um die Sängerin und Schauspielerin Verena Unbehaun handeln kann. Jetzt hat es gefühlt 20 Jahre gedauert, aber wir sind heute umso glücklicher, endlich die erste Unbehaun-Single Schrei auf dem Balkon veröffentlichen zu dürfen.
Ihre Melange klingt für uns einfach perfekt: Die Schlagerromantik der BRD-1 (zwischen Frankfurter Kranz und Frankfurter Schule), durchkreuzt mit der für die Generation-X typische ironische Distanzierung hin Bataille-esquen körperlichen Entgrenzungs- und Verschwendungsfantasien der Theatergegenwart zwischen Paul McCarthy und Florentina Holzinger. Unbehaun begibt sich in all das für uns hinein (dort wo es weh tut!), stolpert, schluchzt, stottert, haut die Lockenwickler rein, schüttelt sich, häutet sich und wird schließlich zu einer tänzelnden Schlager-Spinne mit 8 tapferen Beinchen. Am Ende ist sie einfach nur noch erschöpft von sich selbst!

Wut und Glück, Bärbel und der Wald!

Ok. Nun sind wir also schon mitten drin, im postfaktischen Zeitalter der Geschichtsvergessenheit und dummdreisten Behauptungen.
Wenn politische Parteien dann schon mit George Orwell-Zitaten Werbung um die Ecke kommen, dann muss man sich wirklich fragen, was das da draußen gerade eigentlich für eine Welt ist.
Einer Alice Weidel kann man gerade wirklich alles mögliche an den Kopf werfen. Am Ende redet sie immer zu vom Framing durch linksversiffte Medien und ja, wen zur Hölle interessiert noch so etwas wie ein Faktencheck?!
Erst neulich schweissgebadet aus einem Alptraum erwacht: Wikipedia war abgeschaltet. Die komplette Menschheit ohne Enzyklopädie.

Freiheit, die ich meine

Die Versprechungen von weniger Staat und noch mehr individueller Freiheit sind zwar größtenteils komplett unhaltbar, weil ja der Staat mit seinen unzähligen Aufgaben die Möglichkeiten zur freien Entfaltung überhaupt erst möglich macht, und in allen Gesellschaften doch immer auch der individuelle Kontostand über weitere Möglichkeiten der freien Entfaltung nach Gusto entscheidet. Aber klar, über all diese Grundregeln lässt sich als privilegiertes Gewohnheitstier sehr leicht hinwegsehen. Und auch klar: Kaum jemand freut sich am Ende des Tages über seinen neuen Steuerbescheid.

Spätestens seit der Corona-Pandemie und den damit verbundenen individuellen Einschränkungen scheinen viele Menschen sich von der grundsätzlichen Idee einer Solidargemeinschaft nicht mehr so richtig überzeugen zu lassen.

Weihnachten für Deutschland

Und da sind wir auch schon wieder: Im letzten Newsletter des Jahres!
Nicht das der grundsätzliche Vibe hier gerade groß anders wäre, als bei dem vorausgegangenen und vermutlich auch nicht beim kommenden Newsletter, aber der allgemeine Jahresrückblicks-Geist, gepaart mit einer Freude auf die kommenden Weihnachtstage und die Tage zwischen den Jahren, ist durchaus vorhanden. Die einzige Zeit im Jahr, in der Amtsstuben, Geschäftspartner:innen und die Familie sich darauf einigen können, sich gemeinsam etwas Ruhe zu gönnen.

Natürlich ist so eine Zeit mehr als ungünstig für die vorgezogene Bundestagswahl.
Immerhin fällt der Wahlsonntag nicht auf den Karnevalssonntag.

Komm ins Team Chris!

Es ist schon erstaunlich, wie gerade in Berlin gewisse Leute geplante staatliche Kürzungen in der Kultur beklagen, die in den letzten Monaten vor allem dazu aufgefordert haben, alle Veranstaltungen, die mit deutschen Kulturgeldern gefördert wurden, zu boykottieren!
Als Old-School-Dialektiker:innen der Generation X gerät man in solchen Fällen schon mal an seine Grenzen.
Sowieso sollte uns doch hoffentlich allen sein: Sich in dieser Welt auf staatliche Kulturförderung als Lebensgrundlage zu verlassen, ist absurd.
Was wir viel mehr bräuchten, sind vernünftigere Rahmenbedingungen! Von Mindestgagen bis zur Monopolzerschlagung im Ticket-Verkauf ist gerade im Musikgeschäft die Rede, Über all das sollten wir in den kommenden Wochen und Monaten unbedingt ausführlich sprechen und handeln! Ja, und wenn wir städtische Kulturräume nicht vor Real Estate Investoren schützen können, dann müssen wir das Real Estate Business eben gesetzlich dazu in die Pflicht nehmen!

Austria & Anadolu

Aber eigentlich wollten wir heute über Migrationsgeschichten schreiben. Über SINEM und MWITA MATARO. Ganz konkret.
SINEM hat einen türkischen Background, Mwita’s Familie stammt ursprünglich aus Tansania.
Naja, was soll das schon heißen: Ursprünglich?!
Ursprünglich stammen wir ja alle irgendwo her!
Vermutlich aus Afrika.