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Schiff Ohne Kapitän

Seit Tagen schon herrscht große Aufregung in unserem Büro: Eine neue Schorsch Kamerun Single. Auf Staatsakt. Und dann auch noch eine, die explizit gegen Krieg ist!

Ja, habt ihr denn den Schuss nicht gehört? Was soll das jetzt? Der Soundtrack für die neue Wagenknecht-Partei, oder was? Ihr verpeilten Putin-Versteher! (Hören wir die Leute sagen!)

Fürwahr: Nichts fühlt sich am Ende diesen Jahres verbotener an, als gegen Krieg zu sein.

Gegen das massive Aufrüsten, gegen den erstarkenden Kriegsapparat und gegen die zermürbenden Strategien unserer Chefstrateg:innen.

Klar, das lässt sich hier pupsend auf dem Büro-Stuhl alles so leicht dahin schreiben, schön in der Safety Zone (safety auch wegen dem Militär versteht sich), schön bequem gegen Krieg sein, aber Leute: Die Gegenseite hat’s doch genauso bequem mit ihrem Gehabe: Hier schön die Weihnachtsgeschenke im Internet für die Liebsten bestellen, während sich ukrainische Soldaten unter schwerstem Beschuss den Arsch abfrieren müssen! Für unsere Werte!

Und dieser Krieg ist bekanntermaßen nur mit Nato-Kriegsgerät weiter möglich.

Kleiner Einschub: Nein, wir zweifeln an dieser Stelle den kriegerischen, völkerrechtswidrigen Akt von Putin und seinen Schergen ausdrücklich nicht an, aber wir vermissen gerade – ganz einfach – diplomatische Lösungsansätze. Darüber MUSS weiter öffentlich debattiert werden.

Als seriös vorgetragene, politische Idee. Als eine mögliche Perspektive.

Tut uns leid. Wir sind nunmal christlich sozialisiert! Und haben obendrein auch noch den Kriegsdienst verweigert. Als verkiffte Jugendliche der Generation X „I’m a loser baby, so why don’t you kill me“. Naja, wir haben vorher schon Edwin Starr zugehört.

Oder die Edgar Broughton Band.

Doch zurück an eine Front der Gegenwart: Die Strategie der Zermürbung, also das Russland und die Ukraine mittelfristig ihre „Lust“ am Krieg verlieren, um sich dann irgendwann einmal an einen Tisch zu Verhandlungen zu setzen: Mal ehrlich, klingt das wirklich wie eine ausgeklügelte Strategie?

Klar, wir können uns ja so lange damit brüsten, unsere ukrainischen Freund:innen wie versprochen nicht in Stich zu lassen. Aber zu welchem Preis? Wie viele Menschen müssen noch sterben, wenn doch eigentlich jetzt schon klar ist, das der Krieg letztendlich nur am Verhandlungstisch final zu beenden ist?

Wo wir hier im Text schon am Verhandlungstisch sitzen: Wenn wir jetzt ernsthaft in Deutschland wieder über das Kürzen von Sozialleistungen debattieren, dann müssen wir auch an dieser Stelle den Preis dafür in Frage stellen. Wir wollen jedenfalls nicht in einem so unfassbar reichen Land leben, das es sich weiterhin nicht leisten will, Kinderarmut effektiv zu bekämpfen oder das marode Bildungssystem endlich mal auf Vorderfrau zu bringen.

Das muss man sich eben alles leisten wollen, dann kann man es auch!

Und zweifelt hier jemand wirklich ernsthaft den Sinn und Zweck solcher Investitionen an? Also die Zukunft unserer Kinder als Chance?

Wollen wir jetzt im Sozialbereich wirklich ernsthaft kürzen, statt einen längst überflüssigen Inflationsausgleich im Bürgergeld zu vollziehen? Zum Beispiel?

Würden jetzt gerne auch noch viele tausend Zeichen über die unmenschliche Asylpolitik runter schreiben, aber wir sind ja ein Musiklabel und müssen Platten verkaufen.


Schorsch Kamerun by Guenther Schwering_staatsakt-indie-labelAlso: Von alledem handelt die neue Schorsch Kamerun Single. Vom bellizistischen Auskenner:innen-Vokabular unser Zeit im Gewand jener mordtriefenden Raubkätzchen von Puma bis Leopard. Gastsängerin Annemaaike Bakker im Chorus klingt wie Zeus‘ Tochter höchstpersönlich. Aber hören Sie doch am besten einmal selbst:

Bei HHV gibt es eine auf 100 Stück limitierte gelbe Vinyl. Weitere 200 Stück in Schwarz gibt es sonstwo.

Die 7“-Vinyl-Single erscheint am 02.02.2023 und enthält die limitierte B-Seite mit dem schönen Titel Mitnahmeeffekte. Die Schallplatte dann bitte zwischen Final Solution von Pere Ubu und Ein bisschen Frieden von Nicole stellen. Im trefflich sortierten Plattenregal.

Danke.


erik-leuthäuser-fun-in-the-church-staatsakt-independentWir ziehen weiter: Hin zu einer der tollsten Singles des Jahres: Schiff ohne Kapitän von Erik Leuthäuser. Der Berliner Jazzsänger hat ein Album aufgenommen, das den Titel Sucht trägt und eben genau das autobiographisch behandelt: Vom Sex- bis zur Drogen-Sucht. Ergreifende deutschsprachige Songs, die klingen, als würde Michael Franks auf Max Müller treffen.
Natürlich gehen solche Vergleiche nur in Platten-Reviews, aber die entwaffnenden Ehrlichkeit in Erik Leuthäusers Songs (Max Müller Vergleich), und sein Gesangs-Talent und das kompositorische Know-How (Michael Franks) sind einfach in dieser Kombination nirgendwo sonst zu finden.

In Deutschland schonmal gar nicht.

Aber wir kennen auch sonst keinen anderen 27-jährigen, schwulen Jazzsänger, der in solch großen Songs seine eigene Chem-Sex-Sucht besingt. Oder wie in der heute erscheinenden Single das eigene Scheitern bei Entzugsversuchen.

 

Sucht erscheint am 26.April 2024 bei unserem Tochter-Label Fun In The Church, hätte aber genauso gut auch auf staatsakt erscheinen können. Für uns macht es am Ende sowieso keinen nennenswerten Unterschied. Wir arbeiten beide Brands mit der gleichen Liebe und Leidenschaft.

Weil wir Musik und Menschen lieben.

Peace!

Eure:
Boat-People auf der MS Staatsakt.

PS: Heißer Tip in kühlen Tagen für Fans und solche die es werden wollen: momentan gibt es die auf 150 Stück limitierte Doppel-LP Montecarlo Magic von Mieke Miami bei HHV um 60% reduziert für 10,39€ (das ist ungefähr so viel, wie ein Künstler auf spotify im Jahr verdient)! Eine Doppel-LP in Schwarz (reguläre Songs) und Magenta (die instrumental Versionen der Songs)!
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