Die alltägliche FRONT
Die alltägliche FRONT
Während die einen Bilder vom Bruce Springsteen und seiner E-Street-Band aus dem Olympiastadion in Berlin posten, senden die anderen Brian Wilson Kondolenzen oder Fotos von Sabrina Carpenter als Hund. Dazwischen die täglichen Gaza-Verzweiflungs-Beiträge mit grausamen Bildern, das „Gummigeschoss auf eine australische Reporterin in LA“- Meme und neueste Nicht-Erkenntnisse aus Graz. Ja, wie konnte das alles nur passieren?! Ja, wie…. Schrecklich!
Die Ukraine erlebt nach ihrer erfolgreichen Militäraktion von neulich die schwersten Gegenangriffe und ein namhafter Teil der SPD hat nun ganz offiziell keinen Bock mehr auf Aufrüstung und Krieg und möchte lieber wieder den Dialog mit Putin suchen.
Vor über 40 Jahren gab sich eine Band aus Hamburg den Namen FRONT, und verarbeitete in ihrer Musik den Wahnsinn ihrer Zeit. Damals war der Krieg zwischen West und Ost zwar noch kalt, aber nicht weniger bedrohlich. Die USA hatten die Macht durch ihren frisch installierten Schah im Iran durch die islamische Revolution an ein neues Regime verloren und erst 2 Jahre zuvor waren sowjetische Truppe in Afghanistan einmarschiert.
Eine Welt mitten im libanesischen Bürgerkrieg – der Libanonkrieg stand kurz bevor und die RAF verübte einen Bomben-Anschlag auf das US-Hauptquartier der Luftkräfte in Ramstein! Kein Wunder, dass die Band in diesem Jahr, wir schreiben übrigens das Jahr 1981, fast unbemerkt von der Bildfläche verschwand.
Wie gut nur, dass aus der damaligen Zeit ein Tonband mit Proberaum-Aufnahmen existiert(e), und wie gut, dass es Dank modernster Studiotechnologie heute überhaupt kein Problem mehr ist, aus solchen Aufnahmen ein druckvolles, stimmiges, hochemotionales Album herzustellen. Dieses sagenumwobene Album ist letzte Woche nun endlich erschienen und eine große Kauf-Empfehlung für alle Postpunk-Fans der Ewigkeit. Die limitierte Erstauflage enthält auf einer Bonus-10“-Vinyl alte Samplerbeiträge und EP-Veröffentlichungen, tolle Fotos und hoch informative Liner-Notes.
Es gibt das Produkt als weißes Vinyl bei HHV:
https://www.hhv.de/records/artikel/front-album-hhv-exclusive-white-vinyl-edition-1238663
Als rotes Vinyl bei der Hanseplatte:
https://hanseplatte.de/shop/pr-03603-album-3281
Oder durchsichtiges Vinyl bei JPC:
https://www.jpc.de/jpcng/poprock/detail/-/art/front-album/hnum/12228983
Na, und schwarzes Vinyl gibt es selbstverständlich auch:
https://www.roughtrade.com/de/product/front/album?lf=e24839391ca3480190bdf97a1fa37d96
Und eine Doppel-CD mit einer hübsch nostalgischen 3“-Mini-CD:
https://frontmusik.bandcamp.com/merch/front-album-singles-bundle-cd
Heute Abend findet in der Hanseplatte ein NERDTALK statt mit Projekt-Initiator Andreas Dorau, dem Journalisten Christoph Dallach, dem „Eine Art Autor“ Gereon Klug und dem Produzenten Rene Huthwelker. Die Band wird auch anwesend sein und der Eintritt ist frei!
Lassen Sie sich von selbsternannten Experten live erklären, was das alles mit ihrem Leben heute zu tun hat.
Und warum schon damals alles genauso bekloppt wie heute war! Lassen sie sich erzählen von den großen Friedens-Demonstrationen in Europa, die sowohl Atomkraftgegner als auch die damals noch aktive Hausbesetzerszene auf den Straßen vereinte. Lassen sie sich beeinrucken vom Einfluss der jamaikanischen Dub-Musik auf den Sound des urbaneren europäischen Undergrounds.
Und den vielen Eskalationen an den Rändern der Gesellschaft. Dort, wo immer schon die richtig brutalen, viral-gehenden Bilder für alle möglichen Medien produziert wurden.
HYMN
Während wir hier mit reichlich Sicherheitsabstand auf den verarbeiteten Wahnsinn im Postpunk von 1981 blicken, plagt sich die Berliner Bassposaunistin Maxine Troglauer mit dem Wahnsinn unserer Zeit herum. In staatstragenden Orchestern, Big Bands und sonstigen Ensembles, zu denen dann Bundespräsidenten oder Kulturstaatsminister in der ersten Reihe sitzen. Ja, hier arbeitet jemand in der Hochkultur. Aber Maxine arbeitet als Doppel-Agentin, und verarbeitet ihre Leidenschaft für (Free-)Jazz und Improv und den damit verbundenen Underground-Bühnen in ihrem eigenen Ensemble.
Für sie kein Widerspruch, ihr Debüt-Album in den Studios des Deutschlandfunks in Köln aufzunehmen. Unter absoluten Top-Bedingungen.
All die hier sauber aufgenommen, klingenden Dissonanzen und Spannungsfelder jenseits der täglichen Gebrauchsharmonik erzählen nicht weniger von den Konflikten und gelebten Widersprüchen in unseren täglichen Timelines, als der Insta-Kanal von FRONT. Nur kommt Maxine in ihrer Kunst komplett ohne Sprache aus. Dafür aber hat sie einen unfassbar majestätischen Sound auf ihrer Bassposaune.
Und der verleiht uns Hörer:innen ein Gefühl von Macht, von Handlungsfähigkeit, ja ein sub-sonisches Empowerment gegen das allgemeine Gefühl der Ohnmacht. Klar, man kann auch 180 Euro für ein Bruce Springsteen Ticket dafür – besser gesagt dagegen – ausgeben. Aber hat das hier möglicherweise nicht vielleicht doch etwas mehr mit dieser unserer Zeit zu tun?! Aber klar, Bruce Springsteen gab es 1981 natürlich auch schon!
HYMN ist jedenfalls auch in der letzten Woche erschienen. Das Vinyl kommt leider erst im Juli aus dem Presswerk.
SUPERSPACE
Ansonsten empfehlen wir am kommenden Sonntag um 23:00 Uhr den geschätzten Radio-Sender Byte-FM einzuschalten. Dort gibt es ein exklusives Album-Pre-Listening des SUPERSPACE-Albums, das der Schreiber dieser Zeilen zusammen mit Tom „Der Assistent“ Hessler aufgenommen hat und am 27.06. als limitiertes Vinyl und als KIT-Set erscheint.
Eine Reise in die elektronische Musik zwischen Bristol-Beats, Boogie, Dub, House und Electro-Pop.
Ja, willkommen im Leben nach dem Millenium-Bug (Y2K)!
Euer:
Staatsakt (Hat tatsächlich noch sehr viele Bücher und Platten aus dem letzten Jahrhundert in den Regalen stehen!)
PS: Morgen Abend um 20:00 Uhr spielt übrigens Chris Imler im Rahmen des Hoffests beim Haus Schwarzenberg in Berlin!





