Sommerloch
Der letzte Text vor dem Sommerloch
Das gute alte Sommerloch gibt es doch gar nicht mehr. Wer sich als Gesellschaft so ein Sommerloch leisten will, der muss halt in den restlichen Monaten schauen, das das Bruttosozialprodukt und die entsprechende Gewinne in den Unternehmen, also gemessen am Wohlstandslevel auch stimmen. Aber da die leistungsstarken Boomer jetzt in endgültig in Rente gehen, die GenX sich hoffnungslos überfordert zeigt, was die Führung des Mainstreams angeht, die Millenials längst eine 3-Tage-Woche anstreben und die GenZ sich mit viel wichtigeren Fragen, etwa denen des zwischenmenschlichen Respekts oder der Achtsamkeit beschäftigt, siehts halt gerade schlecht aus mit der Arbeitsmoral!
Und auch wenn die Sommer immer heisser werden, was weite Teile der Bevölkerung immer noch nicht wahr haben wollen, weil das eben auch heisst, dass die Sommer feuchter werden, und wir uns gerade von Extremwetterlage zu Extremwetterlage bewegen, gibt es eben trotzdem keinen pauschalen Stillstand mehr. Kein Barcardi Feeling und keine Langnese-Vibes! Und die Einwohner in Spanien wollen schon lange keine deutschen Touristen mehr!
Naja, dafür gibt es ja hierzulande die Fussballeuropameisterschaft.
Mit viel Geschwafel von Teamspirit und Leistungsbereitschaft. Nun, es dürfte allen klar sein, wer sich damit am Ende angesprochen fühlen soll!
Wir empfehlen stattdessen Musik von unserem langsamsten Pferd im Stall: fastmusic.
Der Leipziger Musiker bietet einen dermaßen entspannten Sound zum Geplucker seiner CR78-Drummaschine, dass man fast glauben könnte, es sei alles halb so wild:
Sein Album I want to love, and I love erscheint dann im Oktober, wenn auch wieder ganz normal durchgearbeitet wird.
In the company of no one vom Masha Qrella und Julia Kliemann aka Halo weiss noch um die Slackermethoden der Neunziger und Nullerjahre. Als es noch relativ unaufwändige Strategien gab, der Leistungsgesellschaft zu entfliehen. Die Mieten und Lebensgrundhaltungskosten in Berlin waren dermaßen low, das kaum Lohnarbeit nötig war. Heute erscheint ihr Album als teure Sonderedition auf Vinyl beim Kulturkaufhaus Dussmann, als Erinnerung an die guten alten Zeiten, in denen in Berlin einfach 365 Tage Sommerloch war! Wenn man nur wollte…
Von Berlin nach München, wo, zumindest im Hinblick auf eine Biergartenkultur jeden Tag gerade noch ein bisschen Wohlstands-Sommerloch-Vibes herrschen, sich einst der Schauspieler und Sänger Niklas Mitteregger und der Musiker Nick McCarthy begegnet sind. Zusammen gründeten sie die Band Nitsch und mit ihrer ersten Single Is Ok gelang ihnen gleich ein veritabler Hit.
Nun gibt es im September endlich das Album: Bar Von Josefine.
Eine Bar als Zufluchtsort aus dem letzten Jahrhundert, ohne Handy-Empfang, dafür mit viel Schnaps und Zigaretten.
Ja, wenn schon kein Sommerloch am Tag, dann halt hinein ins schwarze Loch der Nacht.
Willkommen bei den windschiefen Metaphern, der neusten Punkrocksensation aus Berlin.
Entschuldigung! Kurz unkonzentriert gewesen. Die Hitze…
Zurück in die Bar Von Josefine. Dort sieht es so aus, als hätte man Ina’s Nacht von Wenzel Storch inszenieren lassen. Das Video ist aber von Anna McCarthy.
Bereits gestern ist der Film Führer und Verführer von Joachim A. Lang mit Robert Stadlober in der Rolle als Joseph Goebbels im Kino angelaufen. Ja, Filmpremieren mitten im Sommer! Wenn der Film dann gelaufen ist, wird Robert Stadlober wieder fleißig mit seinem Tucholsky-Programm durch die Lande ziehen.
Bei uns erscheint Ende August dann endlich das passende Album. Beim Verbrecher-Verlag ist der gleichnamige Gedichtband längst erschienen: Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir seien gut. Hier die aktuelle Single!
Wem hier im Kultur-Programm etwas jugendlicher Rock fehlt, dem empfehlen wir abschließend das Album All von EAT THEM, dem fleissigen Wunderkind Johannes Hochmann aus Bochum, der mit Mitte 20 bereits mehr als 30 Alben aufgenommen hat.
Eat Them All sollte den geneigten Hörer:innen einen übersichtlichen Einstieg in das Eat Them Universum bieten. Während der Produktionszeit dieser Best-Of-Collection hat der Künstler aber schon wieder drei neue Alben aufgenommen. Nicht zu bremsen! Naja, einen Versuch war’s wert!
Im Herbst spielt er übrigens mit seiner Band im Vorprogramm von International Music, die sich derweil auf der Suche nach einem Guten Ort gemacht haben.
Einen guter Ort, um sich einfach mal zu entspannen.
In diesem Sinne:
Wünschen Euch allen einen entspannten Sommer!
Wir lesen uns dann Ende August wieder!
Euer:
Staatsakt.


