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Nun ­čžÉ

Von links nach schräg

Nun, während große Teile der Bevölkerung gerade einfach so tun, als könne man alle Fragen der Menschheit auf die Frage nach der Corona-Impfung reduzieren, wollen wir dieses Jahr gleich so kompliziert UND solidarisch wie eben möglich beginnen.

Dazu heißen wir nochmal alle herzlich willkommen auf diesem Kanal, der wie immer ganz groß tut, und in Wirklichkeit natürlich ganz klein mit Indie-Hut ist.

Aber was bedeutet in diesen Tagen schon „Wirklichkeit“. Und wie groß sind 200.000 Follower*innen bei Twitter wirklich?! Und ein Spaziergang mit 600 Leuten in irgendeinem bundesrepublikanischen Dreckskaff?!

Und warum demonstrieren eigentlich so viele Menschen in den letzten Tagen für unser aller „Freiheit“. Bloß um ein paar Fotos davon zu machen und diese ganz freizügig bei Instagram hochzuladen?!

Die Kerzen

Nun, viele Dinge laufen gerade irgendwie von links nach schräg. Erinnert Ihr Euch z.B. noch an Die Kerzen?! Jene junge Pop-Sensation aus Ludwigslust?! Genau, die mit dem tollen China Crisis (die Band) und gekonnten Prefab Sprout-Vibe?!

Kurz vor der Pandemie ist die Band nach Berlin gezogen und hat sich dort in Neu-Kölln entsprechend eingerichtet. Nun veröffentlichen sie mit mind. 5 Jahren Verspätung einen eigenen Cloud-Pop-Entwurf. Naja, immerhin haben sie der Sonnenallee einen kleinen, berauschenden Party-Track geschenkt. Aber sonst?!

Wir hoffen die Band findet schnell einen Weg zum Song-Writing zurück und verprasst die Vorschüsse ihrer Plattenfirma nicht weiter frech vor laufender Kamera im Späti ums Eck. Danke.


Pauls Jets

Die Wiener Band Pauls Jets hingegen liefert einfach nur noch gut ab. Mit ihrer letzten Single So richtig in Love wochenlang in den Hitparaden haben die Jets mit Baby sauber nachgelegt. Ein echter Dream-Pop-Schmachfetzten mit ausgeprägter Saxophon-Sehnsucht! Hier sehen wir einen Visualizer zum Song:

Also letztes Jahr hätten wir alle noch Lyric-Video dazu gesagt, aber wie das so ist mit den Begriffswechseln. Auch die Sprache unterliegt den Moden. Auch wenn es bloß der Sprech von irgendwelchen gelangweilten Richkids ist. Die Sprache kann und muss alles und jeden in sich aufsaugen.


Disposition mit Gío

Sehr viel Sprache gibt es selbstverständlich auch wieder in unserem Podcast.

Maurice Summen hat in der neuesten Folge von Disposition Johannes Stankowski eingeladen. Sie reden über Mirrors & Smoke, dem großartigen aber von Kritik wie Publikum sträflich übersehenen Pop-Meisterwerk von GIO.

Beide wissen, wovon sie sprechen!

gio-staatsakt-disposition-podcast-folge-07

Wer möchte, kann sich übrigens hier unsere Playlist der in den Podcasts erwähnten Songs anhören:

Als Zeichen der Hoffnung im Land des Schweinerocks hat die Hanseplatte für die nächsten vier Wochen das besagte Album als Tape und Vinyl um 20% reduziert. Solle also nach dem Hören des Podcasts ein gewisser Kaufanreiz geweckt worden sein, nur zu, bitte hier entlang.


Carl Schilde

Zu guter Letzt noch der Hinweis auf die neue Single von Carl Schilde auf fun in the church. Dass auch wir uns manchmal schwer tun mit der Interpretation von Songs unserer Künstler*innen, zeigt dieser schöne E-Mail-Dialog aus dem Home-Office-Alltag der letzten Woche:

Markus Göres: Maurice, schreibst Du noch schnell ein paar Zeilen zum neuen Schilde-Song?

Maurice Summen: Klar, here you are: Der Übergang von der Disziplinar-Gesellschaft zur Kontrollgesellschaft markiert auch den Übergang vom autoritären Vater zum sogenannten „Softy“.

In den 80er Jahren nicht selten Gegenstand vieler Komödien. Soft Dads von Carl Schilde handelt von dieser Zeit des Übergangs. Naja, Gewisser Weise. Für viele Menschen hat sich dieser Wandel ja schließlich bis heute noch nicht wirklich vollzogen….

Markus Göres: Meinst du? Handelt der Song wirklich davon? Und ist es gut oder schlecht, dass der Wandel nicht vollzogen ist? Denke ja eigentlich gut, andererseits: in der Engführung mit dem Übergang von der DG zu KG passt es dann ja wieder nicht mehr so recht, weil: das ist ja jetzt auch nicht unbedingt ein Fortschritt (aber auch nicht unbedingt schlechter), bleibt dialektisch halt, klar.

Maurice: Puh! Ich frag mal Carl.

Markus: Haha. Ok.

Maurice: Hey Carl! Hier mein Entwurf für das kommende Soft-Dads-Presse-Mailout. Markus meint ich hätte das Thema glatt verfehlt. Magst Du bitte mal schauen?

Carl Schilde: Hey ihr beiden, auf jeden Fall eine sehr Staatsakt-esque Interpretation, stimmt aber auch. Thema nicht verfehlt, wäre für mich ok.

“Als das Kind noch Kind war…”

Am Ende fand ich Soft Dads einfach einen interessanten Titel und der Rest kam so raus, wie’s halt immer so ist. Habe es für mich selbst immer nur erfühlt interpretiert. Zum einen musste ich daran denken, wie ich als Kind in den 80ern im Fernsehen noch die um ein paar Jahre verspäteten US-Serien aus den 70ern gesehen habe und dadurch so eine komische Zeit- und Realitätsverzerrung entstanden ist. Im Gegensatz dazu steht die “wirkliche” Kindheit und die Frage, wie weit man durch die Boomer-Generation auf die heutige Welt vorbereitet worden ist. Natürlich könnte man hier auch die verschiedenen Vorbilder vergleichen. Magnum PI vs West Berlin Softies….Beide würden heute wahrscheinlich nicht zurecht kommen, haha.  Also es legt sich schon mit eurem Text…alles cool.

Ach, wir sind einfach froh so tolle Künstler*innen vertreten zu dürfen. Hier kommt jedenfalls das Video zu Soft Dads. Carls Album Europop dann am 05.02.2022.

Bei JPC gibt es übrigens exklusives, goldenes Vinyl. So wertvoll wie ein NFT in der König-Galerie.


Wenn Ihr mögt dann lesen wir uns schon nächste Woche an Ort und Stelle wieder.

Eure: Staatsakt 2022.