Morgen sind wir Fantasy
Während im Pop-Feuilleton immer noch diskutiert wird, ob das neue Taylor Swift Album nur Durchschnittsware oder nicht doch ein bisschen besser oder schlechter ist, das EU-Parlament offenbar gerade so etwas wie ein religiöses Gefühl für (FLEISCH!)-Wurst entwickelt hat, kommt die Nachricht rein, das Israel und die Hamas dem Abkommen zur ersten Phase des Friedensplans von Trump & Co zugestimmt haben. Und auch wenn es uns inzwischen fast unmöglich scheint, so etwas wie Freude im Zusammenhang mit Trump & Co. zu empfinden, scheint das doch erstmal eine gute Nachricht zu sein. Die parallel dazu laufende Nobelpreis-Debatte ist vor allem eins: clickbait.
Darüber sollte vielleicht auch mal stärker diskutiert werden: über den Zusammenhang von Marketing und Schlagzeilen. Über das Machtgefühl, das Menschen auf ihren Kanälen empfinden mit ihren stündlichen Skandalmeldungen mit null Informationsgehalt. The dark side of Infotainment. How low can you go?! Ja, lasst uns bitte einen Podcast draus machen!
Von alldem sind wir hier in unserem kleinen Newsletterlesezirkel natürlich meilenweit entfernt. Hier wird zwar auch mal gerne mal polemisiert und polarisiert, aber doch nur, um am Ende gute Musik zu verkaufen.
Wir müssen hier immer noch die Piemont-Kirsche obendrauf texten, um unsere Schallplatten anzupreisen. Zumindest glauben wird das! Seit über 20 Jahren geht das schon so.
Aber wo wir schon bei der Ausdauer im Berufsjugendlichen Pop-Game sind – dem Lieblingsthema aller Indie-Bestager – wollen wir an dieser Stelle Dirk Böhme aka Lenny Berger, dem nimmermüden Host der tollen Radiosendung Verstärker (auf Byte-FM) gratulieren.
Er hat am Mittwoch tatsächlich seinen 30. Sendungs-Geburtstag gefeiert. Älter als Markus Lanz!
Und dabei hat er den wesentlichen besseren Musikgeschmack. Auch wieder so eine Behauptung für Reaktionen in der Kommentarspalte.
„Kommis“, wie die inzwischen auch nicht mehr ganz so jungen Leute sagen.
Das ist doch eine schöne Überleitung zu den Millennials, die mit Swift & Co. längst den globalen Popmarkt dominieren. So feiern wir heute im Hause staatsakt das neue Gen-Y-Album von Pauls Jets aus Wien mit dem schönen Titel Morgen sind wir Fantasy. Dem vielleicht schönsten Prokrastinations-Titel seit langen.
Dabei dachte Sänger und Songschreiber Paul Buschnegg beim Titel gar nicht so sehr an Handlungsaufschub, sondern an Fantasy im Sinne von Herr der Ringe, Harry Potter, an Mittelalter-Feste und an Progrock.
Dabei sind die Jets eine so wundervolle eklektische Popgruppe, wie man sie vor allem in den 90er Jahren auf dem CD-Markt fand. Bands wie die Super Furry Animals, Denim oder Bran Van 3000! Das coolste aus den 60ern, 70ern, 80ern in einem Sound. Plötzlich standen Heimcomputer, Gitarren, Schlagzeug, Flohmarkt-Schallplatten und ein Sampler in einem Raum. Bei den Jets müsste man gut 30 Jahre später hinzufügen, dass auf jeden Fall noch das Internet als massiver Einfluss dazu gekommen ist. Ein Leben zwischen TikToks und Regenradar. Naja, was soll’s.
Einfach weiterscrollen!
Allein für das Coverartwork lohnt die Anschaffung der auf 300 Stück limitierten Vinylauflage.
Ein trauriges Emoji aus Ton ist darauf zu sehen. Von der Band getöpfert. Mit Ton aus Brandenburg. Im Feuer für die Nachwelt in einem Ofen in Wien gebrannt.
Für alle, die immer alles ganz genau wissen müssen.
Und es morgen ganz sicher schon wieder vergessen haben.
Man kann sich an folgenden Orten von der außerordentlichen Qualität dieses Produkts überzeugen lassen:
30.10. Salzburg, Arge
31.10. Stuttgart, Merlin
01.11. Wien, Flucc
07.11. Karlsruhe, Kohi
08.11. Berlin, BLO-Ateliers (Hallo Lieber Ran!)
09.11. Hamburg, Molotow
21.11. München, Milla
22.11. Fürth, Kofferfabrik
13.12. Linz, STWST
Ansonsten gibt es hier und jetzt ein neues Video zum Album-Lead-Track namens SMASH! Ein schmissiges Bigbeat-Update mit Bromance-Plot! Zusammen wird all das Geld verprasst, das am Ende weder der eine noch der andere Bro hat! Eine gelebte Fantasy mit Kreditkarte.
Wer an diesem Wochenende in Berlin zudem noch Lust auf eine gelebte Musik-Fantasy mit einer 17-köpfigen Bigband erleben möchte, dem empfehlen wir das Magnetic Ghost Orchestra im House Of Music. Sie präsentieren dort ihr neues Album Holding On A Wonder.
Ja, Wunder gibt es immer wieder.
Dabei haben wir im Internet tatsächlich noch nie eins erlebt.
Das ist doch eine schöne Punchline für den offenen Schlussakkord!
Euer:
Staatsakt.
PS: Lola Young ist nicht Amy Winehouse – textet gerade zumindest das Diffus-Magazin!



