Keine Macht den Drohnen!
Gibt es eigentlich schon einen Fachbegriff dafür, wenn man die Fußball-WM schaut, dabei aber ein schlechtes Gewissen wegen MAGA hat?! „Anpfiff mit Bauchschmerzen“ schlägt die KI auf Google vor. Naja, die FIFA ist mit ihrer Selbstinszenierung auf jeden Fall voll auf der Höhe der Zeit.
Ansonsten beschäftigt sich die Welt ja gerade mit allen möglichen Fragen rund um das Drohnen-Geschäft. All das schwere Gerät zwischen Langstreckenraketen, Flugzeugträgern und Panzerbataillonen scheint irgendwie veraltet. Ja, könnte es sein, dass das Militär einfach gerade eine digitale Transformation erlebt – genau wie alle anderen Branchen auch?! Und haben wir dann in den letzten Monaten im Eifer des Gefechts nicht vielleicht in die falschen Produkte investiert?! Wie meinen?! Panzer kann man immer gebrauchen?!
Nun gut, der lahmenden deutschen Wirtschaft (mit einem Wachstum von nur noch 0,5 %) mag die Investition in den Leopard 2 A8 auf kurze Sicht etwas geholfen haben. Schaut man sich jedoch den aktuellen Fall der Rheinmetall-Aktie an, wird schnell klar, in welche Richtung sich das Rüstungsgeschäft gerade rasant entwickelt.
Deutsche Militär
Der Wuppertaler Musiker Tom Taschenmesser lehnt jegliche Verbindung zum Militär ab. Bzw.: Dem Protagonisten in seinem Lied fällt auf, dass er niemanden beim Militär persönlich kennt. Nicht in der Marine und auch nicht bei der Luftwaffe. Einfach keine direkte Verbindung.
Nüschte.
Ja, ja, wird der gut informierte Bellizist unserer Zeit erwidern. Er mag dort niemanden persönlich kennen. Aber wer schützt diese hochmütigen jungen Leute und ihre Familien am Ende vor dem Feinde?! Diesen Herrn Taschenmesser zum Beispiel, der einst mit seinem Kollektiv Die neue Leichtigkeit für einen Sommer oder zwei für Hoffnung im deutschen Indie-Pop-Betrieb sorgte. Mit befreundeten Acts wie Wein & Haschisch oder Der Frühling. Aber das ist alles schon locker fünf Jahre her.
Längst hat sich das Kollektiv der Leichtigkeit in den Flugmodus begeben, aber Tom Taschenmesser hat trotzdem ein neues Album aufgenommen! Es erscheint im November auf unserem Hippie-Punk-Label staatsakt, trägt den schönen Titel Der nichts weiß den man nicht fragt und beschäftigt sich mit den dringenden Fragen unserer Zeit! Ja, schicke ich nun meinen Sohn oder meine Tochter an die Front – oder nicht doch lieber eine Drohne aus dem Baumarkt?!
Deutsche Militär möchte zwischen Brechtlied und Ja, Panik in ihrer Angst-Phase unbedingt als Antikriegssong verstanden werden. Taschenmesser fragt sich, was dieser ganze Irrsinn soll, wo er am Ende hinführen wird und warum wir ganz offenbar nicht mehr in der Lage sind, die politische Mitte für ein pazifistisches Mindset zu begeistern. Jetzt bitte nicht einfach „Putin“ antworten. Danke! Und: Film ab!
Iggy Türkpop und die Nachtigall
Von Wuppertal nach München. Hier lebt die Sängerin SINEM, die es sich seit ihrem Debütalbum Kösk zur Aufgabe gemacht hat, Anadolu-Liedgut in post-punkige Gefilde zu transformieren. Der Münchner Popkultur-Reiseberater Sebastian Reier hat sie darum völlig zu Recht als „Iggy Türkpop“ bezeichnet. Im September erscheint nun endlich ihr zweites Album Hatun, das sie wieder zusammen mit dem Münchner Schlagzeuger und Produzenten Tom Wu aufgenommen hat.
Auf diesem Album gibt es erstmalig auch eigene Kompositionen zu hören. Die erste Single Ötme Bülbül Ötme aber stammt aus der Feder von Pir Sultan Abdal (Geboren 1480, gestorben 1550). Ein altes Lied über Trennung, Sehnsucht, spirituelle Liebe und inneres Leid. Wer solche Lieder noch heute so expressiv mit dem eigenen Leben füllen kann, der braucht ganz gewiss keine Panzer, um sich vor den eigenen Ängsten – und den Ängsten der Anderen – zu schützen!
Hier gehts zum “Choose you weapon” Video von Andrea Huber & Katrin Savvulidi:
Kids without fear
Wir bleiben bei den Ängsten und sprechen über den jungen Berliner Sänger Olafur Mowa, der im Herbst auf staatsakt sein Album Post Internet Era herausbringt. Die neue Single Kids without fear erinnert uns hier im Büro an WEEN zu besten Chocolate & Cheese-Zeiten – als hochgepitchte Vocals in der Produktion noch für den letzten Pfiff sorgten!
Im Video sehen wir Olafur Mowa, wie er, von einem Van verfolgt, an der Küste entlang spaziert. Die Sujet für das Video lautet: Der letzte Tag vor dem Krieg.
Strassenmusik
Zurück nach Berlin, wo der Musiker und Produzent Tom „Der Assistent“ Hessler an einer U-Bahn Sergio Torales entdeckte. Sergio Torales ist professioneller Straßenmusiker und bereichert den Alltag der Beschäftigten mit seinem gitarrengetriebenen, psychedelischen Sound, der junge Menschen an Khruangbin und ältere Semester vielleicht an Peter Green erinnern wird.
Der geschätzte Berliner Booking-Agent Christoph Linder kommentiert den ersten Single-Drop mit dem schönen Satz: „Endlich jemand, der seinen inneren Chris Rea channelt.“ Auch eine schöne Referenz! Hessler und Torales haben jedenfalls ein ganzes Album zusammen aufgenommen, das im Herbst erscheint. Hier ein erster Vorgeschmack:
Das Sergio-Torales-Album Interstellar Bedroom erscheint im Herbst selbstverständlich auf Fun In The Church – unserem Outernational-Sublabel, das wir vor über 10 Jahren extra für die Veröffentlichung der Vinyl-Single Ruined Heart von Bing Austria & The Flipping Soul Stompers gegründet haben.
Bing ist nun im Juni viel zu früh von uns gegangen. Dieser Song hier aber bleibt hoffentlich für immer:
R.I.P.!
Zum Abschluss noch mal zurück nach München, wo die befreundete Künstlerin Pollyester nach vielen Jahren Pause endlich wieder einen Song veröffentlicht hat. Und zwar eine Coverversion des Frank-Zappa-Songs Cocaine Decisions. Ein zynisches Lied über noch zynischere Menschen, ohne die etwa MAGA oder FIFA undenkbar wären.
Klar, das gilt sicher auch für den kompletten Pop-Betrieb. Aber gut, wenn ein Rapper in einem Song behauptet, „larger than life“ zu sein, dann ist das sicher weniger problematisch als bei Ministern, Präsidenten oder Board-Members der kritischen Infrastruktur.
Auf der anderen Seite ist das hier alles EIN Spiel.
Für uns ALLE.
2x 45 Minuten.
Mit Verlängerung.
Und schwer umstrittener Trinkpause.
Die neuen Hitzerekorde dieser Tage werden auf beiden Seiten des Atlantiks einfach wegverdrängt.
Klar, es gibt ein paar lustige Memes von geschmolzener Schokolade in Supermärkten.
Die Preise in den Berliner Freibädern sind inzwischen auf einem unfassbaren Level angekommen!
Also die Bäder, die überhaupt noch geöffnet sind.
Ja, nur Ventilatoren verkaufen sich dieser Tage noch besser als Drohnen!
Gibt es eigentlich börsennotierte Ventilatorenhersteller?!
Sicher! Systemair AB aus Stockholm spuckt die KI bei der Recherche als Branchenriese aus!
Ja, darin vielleicht künftig einfach die Kapitalrente reinblasen, Herr Merz?!
Um abschließend unsere Haus- und Hofband Die Türen zu zitieren:
„Was ist der Mensch?!
Ein Rententier.“
(Rentner & Studenten, 2012)
Und bevor wir es im Raum der unendlich vielen Möglichkeiten noch vergessen: Noch mal sehr schöne Nachrichten aus München! Der Schreiber dieser Zeilen ist zu Gast in Sebastian Reiers letztem Habibi-Kiosk-Abend: Im „Space Kiosk“ am 02.07. im legendären Habibi Kiosk der Kammerspiele quasseln die beiden Freunde über Musik aus dem Weltraum, die sie dem Publikum vorspielen.
Der Eintritt ist frei. Es geht schließlich um unendliche Weiten. Ja, strenggenommen müsste der Abend eigentlich Trillionen von Euro kosten!
www.muenchner-kammerspiele.de › 51520-space-music-kiosk
Euer
Spaceakt


