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Stefanie Schrank: Schlachtrufe BRD

VÖ: 20.04.2024

„Es war der Beginn von irgendetwas“

Stefanie Schrank ist bildende Künstlerin und Bassistin der Kölner Band Locas In Love. Mit ihrem ersten Soloalbum „Unter der Haut eine überhitzte Fabrik“ von 2019 begann sie, aus analogen Synthesizern und eckig-eleganten Grooves ihren sophisticated Pop zusammenzusetzen. Ihre vielbeachtete Debut-LP wurde in der Presse gefeiert als „das Pop-Debüt des Jahres, … reich und groß und von unruhiger Erhabenheit. Sie ist nicht weniger als eine der tollsten Preziosen, die der deutsche Pop im abgelaufenen Jahr hervorgebracht hat“ (Jens Balzer in Die Zeit), dann folgte unmittelbar eine globale Pandemie, in der die Künstlerin ihre Realität zerbröseln sah und wieder neu zusammenpuzzeln musste. Erstes Zwischenergebnis: das neue Mini-Album „Schlachtrufe BRD“ mit Tracks, die von dieser Zeit bis ins Jetzt reichen, und am 20. April bei staatsakt. erscheint.

Nach wie vor stehen Synthie-Sounds im Zentrum, die das musikalische Erbe von Deutscher Elektronik und Krautrock zukunftsgeleitet weiterspinnen, um eine völlig eigenständige Klanglandschaft aufzustellen. Stefanies verwinkelter Pop-Entwurf ist teilweise als instrumentale Kraut-Abfahrt oder Ambient-Meditation inszeniert und dann Setting für sehr persönliche Bestandsaufnahmen – etwa über die Untiefen der Psyche, eine Sorge um die Welt und Deutschpunk in den Provinzen der Bonner Republik der 1990er Jahre.

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Passend zum Record Store Day und seinem Reissue-Fetisch ist der Titeltrack eine biographisch zurückblickende Hommage an die berüchtigte Punk-Compilation-Reihe, in der Stefanie die Gleichzeitigkeit von stumpfem Glanz und reaktionärer Problematik des seinerzeit hart männerdominierten Genres besingt. Dass ihre eigenen Schlüsse aus der Konvergenz von upper-middle-class-Wohngebiet, rechtslastiger 90s-Provinz, Punk, Pop, Poetry und Politik sie dahin führten, als Frau Ü40 künstlerisch stetig konsequenter und aufregender zu werden, mag eine der Lehren von Punk sein oder einfach ein Hinweis darauf, dass Stefanie Schrank 2024 bei aller Nerdigkeit und Science-Fiction eine der spannendsten Stimmen Pop-Deutschlands ist.

Was sonst noch kommt dieses Jahr:

 

Split-Single mit Christian Schneider von grafzahl und Junge von EA80, irgendwann im Frühling.
Remix für Mondo Sangue auf deren Jubiläums-Platte

Künstlerïn: Stefanie Schrank

Strommastsägen

A

Am 1. Mai 1990 ist trotz geschlossener Müller Märkte der erste Teil der Deutsch-Punk-Samplerreihe „Schlachtrufe BRD“ erschienen. Horden von besoffenen Männern mit bunten Haaren verschafften sich gewaltsam Zugang zu den Märkten, um die CDs zu rauben, Happy Release Day! <3 In einem Bericht des Fernsehmagazins Monitor wurden Eltern aufgefordert, die CD-Sammlung ihrer Kinder nach der „Schlachtrufe BRD Vol. I“ zu durchsuchen. „Strommastsägen, Bombenlegen, ab und zu ein Attentat“, die Texte waren gewaltverherrlichend, linksradikal und forderten auf zu Terrorismus und Mord. Aus heutiger Sicht wirken sie vielleicht etwas forsch, aber eigentlich war’s schon okay und gerechtfertigt nach vier Jahrzehnten Bundestag voller Originalnazis. Im Wohngebiet oder den scheiß Dörfern mit 12, 13 oder 15 Jahren wussten wir zwar von denen nicht viel, aber die Grundwut und Verzweiflung waren ansteckend. Nicht für alle, für uns aber bestimmt und auch für Stefanie Schrank. Musikalisch hat man’s ihr selten angehört, was sicher keinen Nachteil darstellt. Auch auf diesem Kurzalbum sind es eher die Synthesizer, die wir zu hören kriegen. Die sind dafür aber genauso geil elektrisch wie die Gitarren damals auf den Punk-Samplern. Der Titeltrack ist Huldigung und liebevolle Kritik. Die anderen Titel sind auch spitze, wie zum Beispiel die Coverversionen von Air Supply und den Kaput Krauts. Alles, was Stefanie Schrank macht, ist cool. In zig Popbands spielen und als bildende Künstlerin dafür sorgen, dass in den Bernsteinzimmern der Republik immer schön was an der Wand hängt. „Es war der Beginn von irgendetwas, so wie ich es seh, eine nach der anderen CD, Schlachtrufe BRD.“ So singt’s Stefanie im Song, während bei Müller in den Regalen inzwischen nur noch Scheiß steht. Die Märkte gibt’s zwar noch, haben aber sämtliche Relevanz für uns Punks verloren.

 

Ferdinand Führer und Roland van Oystern

Tourdaten:

Stefanie Schrank Tour 2024

12.03.2024 Köln, Bumann & Sohn (mit Angela Aux )
14.03.2024 Hamburg, Hafenklang (mit Angela Aux
15.03.2024 Berlin, Monarch (mit Andreas Dorau)
16.03.2024 Berlin, Monarch (mit Andreas Dorau)
24.03.2024 Köln, Bumann & Sohn (mit Ninamarie)
25.03.2024 Wiesbaden, Kreativfabrik (mit Ninamarie)
13.05.2024 Münster, Pension Schmidt
16.05.2024 Stuttgart (mit Andreas Dorau)
17.05.2024 München (mit Andreas Dorau)
25.05.2024 Essen (mit Andreas Dorau)
30.05.2024 Hamburg, Knust (mit Jenobi)
31.05.2024 Langenberg, (mit Jenobi)
26.09.2024 Köln, Bumann & Sohn (mit Erregung Öffentlicher Erregung)
28.09.2014 Hersbruck, Kulturbahnhof (Festival, mit Pirx u.a.)
08.10. Kiel, Hansa 48 (mit Jenobi)
09.10 Leipzig, Moritzbastei (mit Jenobi)
10.10. Jena, Café Wagner (mit Jenobi)
12.10. Düsseldorf, Bilker Bunker (mit Jenobi)
21.11. Frankfurt, Mousonturm (mit Erregung Öffentlicher Erregung)

Stefanie Schrank Booking: Koralle Blau

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