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Paradise Papers und November Rain

Und krass! Vor 28 Jahren fiel die Berliner Mauer. Als die noch stand, war die Welt weitaus einfacher zu begreifen: Das Böse war einfach auf der anderen Seite angesiedelt.

newsletter 16/2017

Mit welcher Abgebrühtheit man doch als braver Bürger mittlerweile Informationen wie die gut recherchierten Paradise-Papers wegsteckt. Tja, ist halt so, die da oben bescheißen und nach unten wird getreten. Viel wichtiger: Wie läuft es bei Borussia Dortmund?! Schafft es Boris Becker mit Pokerspielen aus der Krise? Und wie sexuell gestört ist eigentlich die Jugend in Japan?

In Deutschland hört die Jugend Trap von Trettmann oder RIN, in dem in aller lasch-abgeklärten Shee-Sha-Ness die Sätze schon lange nicht mehr ausformuliert werden. Eine Musik, in der Vokale mitten im Satz wie Rauchkringel am Himmel zerplatzen.
„Ist doch eh alles klar“ denken sich die jungen Leute: Das Leben ist überkomplex und manchmal übernice und etwas Besseres als den Tod findest Du überall. By the Highway: Hat irgendwer meine Papers gesehen?!

Jazzmusik

Und krass! Vor 28 Jahren fiel die Berliner Mauer. Als die noch stand, war die Welt weitaus einfacher zu begreifen: Das Böse war einfach auf der anderen Seite angesiedelt.

Scheiß Kapitalismus!

Oder Kommunistenpack. Je nach dem auf welcher Seite man stand.

Ich bin außerdem an der Holländischen Grenze groß geworden. Die Holländer waren damals Schuld an allem, wofür die Kommunisten einfach zu weit weg waren.
Später wurden die Grenzen dann aufgehoben. Seitdem ist Europa Schuld, woran vorher die Holländer Schuld waren. Die Russen sind heute vor allem Schuld an den gestiegenen Butterpreisen. Aber seit Trump der US-amerikanische Präsident ist, ist den meisten Deutschen Putin sympathischer. Sind die Amerikaner jetzt eben auch noch Schuld. An Jazzmusik zum Beispiel.

Und die Holländer? Die kassieren fleißig Lizenzgebühren, weil jede Marke sich dort wegen der Steuervorteile lässig niederlässt. Sogar die Rolling Stones. Sind also Schuld an globaler Steuerflucht! Die Rolling Stones? Klar, it’s a gas, gas, gas!

Aber Steueroasen sind wichtig für den Kapitalismus sagen die Finanzexperten.
Wie soll man sonst sein Vermögen sichern und vor Räubern und Fiskus sichern?! Das leuchtet ein.
Gefängnisse sind ja auch wichtig. Wo soll man sonst mit den Verbrechern hin?

November

Die Berliner Band Klez.E veröffentlicht morgen, also heute, weil Sie diesen Newsletter erst morgen lesen werden, ein Doppel-Live-Album mit dem schönen Titel November.

November handelt von der Erkenntnis ewiger nietzscheanischer Wiederkehr; das aber als Kinder des Ostens. Also auf der anderen, roten Seite, groß geworden, dann als junger Mensch an die Verheissungen des Kapitalismus geglaubt, voll drauf reingefallen und schließlich als Nihilist im Rock & Popgeschäft gelandet. Here we are!

Mit einem Faible für die New-Wave und Gothrock-Bewegung der Achtziger Jahre spielten Klez.E zu ihrem Album Desintegration beeindruckende Konzerte.
November ist Dokument dieser Zeit und weist den Weg in Richtung anstehender Tour.
Mit dieser Platte kann der Geist eines Livekonzerts auch zuhause durch die Ritzen des Bewusstseins dringen. Ganz ohne Internet. Als praktische Doppel-CD.
Spielt also etwa zur gleichen Zeit, in der auch Stranger Things spielt.

Am Montag beginnt bereits die Karnevalszeit. Und morgen ist St.Martin.
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