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Chthuluzän

Das Ende des Anthropozäns scheint noch lange nicht in Sicht. Bzw: Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis das Anthropozän als Zeitalter überhaupt allgemein anerkannt sein wird.

So lange werden auf unserer Welt die crazy Frisurmenners von Trump bis Wilders alles daran setzen, andere Ursachen für den Zustand und die Probleme der Welt zu finden. Ausländer zum Beispiel. Möglicherweise sind diese Frisuren ja der Ausdruck einer toxischen Verweigerungshaltung.

Aber wie bewerten wir dann die Frisur von Alice Weidel?

Die US-amerikanische Sozial-Philosophin Donna Haraway hat in ihrem Buch Unruhig bleiben den Begriff des Chthuluzäns geprägt. So könnte das Zeitalter nach dem Anthropozäns möglicherweise heißen. Ein Zeitalter, in dem sich der Mensch endlich gemein macht mit Natur und Technik. Eine Art sippenhafter Biosphere-Cyborg zwischen Interface und Humushaufen.

Wer sich für ihren transhumanistischen Feminismus interessiert, dem sei die Lektüre des besagten Buchs wärmstens empfohlen, und aber auch – hier kommt jetzt der Staubsaugervertreter von der Plattenfirma ins Spiel – der Kauf das neuen Albums der Gruppe ZINN.

ZINN-by-Theresa-Bitzan

Das Trio aus Wien hat ihr zweites Studio-Album Donna Harraway und ihrer Vision vom Chtuluzän gewidmet. Musikalisch gibt es einen darken Wave-Rock zwischen Siouxsie and the Banshees, Nina Hagen und Freiwillige Selbstkontrolle. Manch einer mag auch schon Die Heiterkeit oder The Düsseldorf Düsterboys herausgehört haben. Die Düsterboys-Schwesterband International Music jedenfalls ist gar auf einem Song („Die Dramaturgie des Nachmittags) als singende Feature-Gäste zu hören.

Was Kurt Weill und Bertold Brecht mit alledem zu tu haben könnten, hören wir in ZINN’s sehr gelungenen Version von „Seeräuberin Jenny“.

Ist auch auf Chthuluzän mit von der Partie!

Hier im Videoclip:

Weiter sei darauf hingewiesen, dass Barbara Morgenstern’s fantastisches Album In anderen Licht, die Schorsch Kamerun Single Stoppt den Krieg (Schlagt die Schweine tot?) und die farbigen Ausgaben der Trommel-EP von The Düsseldorf Düsterboys endlich das Vinyl-Presswerk in Richtung Tonträgerhandel verlassen haben. Darüber sind wir gerade so glücklich, dass wir uns jetzt erstmal nicht in die Ideen von Strike Germany hineinsteigern wollen….

In diesem Sinne:

I can see
I can hear
I can see a new world

Euer:
Staatsakt.

PS: Wir empfehlen ansonsten die Lese-Tour von Gereon Klug. Er erzählt das Leben aus der Perspektive eines Vinylsammlers in welchen Zeiten auch immer… Heute Abend zum Beispiel in Bad Oldesloe…. https://www.tomprodukt.de/tourplan/#gereon-klug