Alles raus was keine Miete zahlt!

staatsakt. 03/2017

Irgendwann vor 10 Jahren…
Ein Telefonat mit dem Filmemacher Wenzel Storch. Ob wir nicht Lust dazu hätten den Soundtrack seiner großartigen Filme wie Reise ins Glück zu veröffentlichen.
Na klar, aber wie kommt man da nur ran?
"Gar nicht so leicht, die Schütte-Brüder sitzen auf den Tapes."
Die Schütte-Brüder?!
"Ja, die gefürchteten Schütte-Brüder."

Nach langer Pause dann endlich E-Mail-Verkehr mit den Schütte-Brüdern.
Wir setzen uns da nochmal ran. Neu mischen die alten Bänder.
Da geht noch was.
Ja, super. Wenn noch was geht dann ist doch gut…

Noch ein paar Mal die Schütte-Brüder angemailt.
Und Wenzel Storch.
Aber dann kam irgendwie nix mehr.
Interesse verloren.
Vergessen.
Szenenwechsel.

RAUS

Wir schreiben das Jahr 2016:
"Hallo, Tilman Rossmy hier, hab Deine E-Mail von Frank Spilker.
Hast Du Lust die neue Regierung auf staatsakt zu machen?!"

DIE REGIERUNG auf Staatsakt?!
Was für eine Frage.

Dann einmal in Berlin mit Produzent Norman Nietzsche getroffen.
Handschlag, fertig!

Zu dem Zeitpunkt kursierten nur ein paar Demoaufnahmen.
Es war nur zur erahnen, dass es eine spitzen Platte wird.
Wurde sie dann auch:
RAUS kommt heute RAUS und geht glatt wie 'ne 1 als spitzen Comeback durch.

Nix

Vor wenigen Wochen dann beim Abendessen mit Die Regierung.
Tilman Rossmy erzählt:
"Ich finde es schade, dass manche Leute Ihr Talent vergeuden. Ich bin nur ein mittelmäßiger Musiker, aber ich habe es trotzdem weiter gebracht als viele andere. Meine Cousins zum Beispiel.
Super talentierte Typen. Aber haben nix aus ihrem Talent gemacht."

Dein Cousins?!

"Ja, die haben schon in den 80ern super Zeugs gemacht, eigenes Label, Fanzines, selber produziert, spitzen Musiker, aber wurde nichts..."

Kennt man die?

"Nee, wahrscheinlich nicht, die haben auch mal Soundtracks gemacht. Für diesen einen komischen deutschen Filmemacher… Hier… Genau… Wenzel Storch!"

Aber nicht die befürchten Schütte-Brüder?!

"Doch, genau die… Du kennst die doch nicht etwa?"

RAUS von DIE REGIERUNG steht ab heute für Euch abholbereit in den ▶︎Plattenläden, Internet-Cafes und Kaufhäusern:

(Die super Lead-Gitarre von Old Man Happy, übrigens!)

Euer:
Staatsakt.

PS: Wer Lust hat im neuen Albrecht Schrader Video auf der Kirchenbank zu sitzen ist herzlich eingeladen. Treffpunkt: Morgen, 25.03., 10:45 Zionskirche, Berlin.

PPS: Neues Chuckamuck-Video schon gesehen!? Na, dett is Balin!

© Copyright 2006 - 2017 staatsakt.

„Frauen und Musik machen das schönste Fest kaputt“

staatsakt. 02/2017

Deutschland im Winter
Am Tresen der Chauvinist
Nichts dazugelernt


Immer wenn ich an Christiane Rösinger denke, erinnere ich unsere erste Begegnung.
Wir hatten uns im Sommer 2008 verabredet um gemeinsam nach Hamburg zu fahren.
Andreas Spechtl war auch mit der Partie.
Wir beide ohne Führerschein.
Frau Rösinger am Steuer.
Aber bevor wir endlich im Auto saßen, gab es ein tolles Verabredungsmissverständnis für Wortverliebte.

Ich wartete im Lokal „Entweder Oder“ in der Oderbergerstraße in Berlin. Aber weit und breit keine Rösinger und kein Spechtl in Sicht.
Nach 30 Minuten Wartezeit ein besorgtes Telefonat. „Wo steckt Ihr denn?“, „Ja, wo steckst Du denn?“ „Ja, ich bin hier!“, „Ja, wir auch!“, „Nur wo?“...
Ratlosigkeit auf beiden Seiten.
„Also wir sitzen hier seit einer halben Stunde im Eingangsbereich“, „Ja, ich auch“.
Noch verwirrender.
„Also um sicher zu gehen, dass wir im gleichen Lokal sitzen: ich warte wie verabredet im „Entweder Oder“.
„Was?! Aber wir hatten uns doch im „Sowohl als auch“verabredet!“, „In der Kollwitzstraße!“
Großes Gelächter.
Bis heute ist übrigens ungeklärt, wer sich damals geirrt hat.

Wie groß war ein Jahr später die Freude, das Songs Of L. And Hate, das erste Rösinger-Solo-Album so gut bei den Leuten ankam.
Rösingers erste Band die Lassie Singers hatte ich als junger Teenager im Münsterland tatsächlich über den Soundtrack von Manta Der Film kennengelernt. Mein jüngerer Bruder spielte den Song Falsche Gedanken damals rauf und runter.
Musiker und Musikerinnen müssen schon etwas Besonderes schaffen, um meinen Bruder zu begeistern. Wobei, In the army now von Status Quo hat er auch immer rauf und runter gespielt...

Naja, in einer gerechten Welt würden die Lassie Singers heute mit der gleichen Selbstverständlichkeit rauf und runtergespielt werden wie Status Quo, aber wir alle kennen die Welt in der wir uns bewegen: Weiß, männlich, heterosexuell. Ein bisschen dümmlich, by the way.
„Frauen und Musik machen das schönste Fest kaputt“, wie manche Männer im Westfalenland immer zu sagen pflegen.
Ja, darauf eine Herrengedeck.
Und ein Prosit darauf, dass diese Gattung eines Tages aussterben möge. In the army oder sonst wo...

Heute erscheint endlich das Folgealbum Lieder Ohne Leiden, wieder von Andreas Spechtl co-komponiert und geschmackvoll instrumentiert.
Und auch wenn Christiane Rösinger sich mittlerweile lieber den „niederen“ Tätigkeiten widmet („Lob der stumpfen Arbeit“), gibt es sicher niemanden in dieser Sprache, der sich dem Themenkomplex „Frau über 50, unverheiratet, prekär in der BRD2“ dermaßen poetisch, ehrlich und lakonisch nähert wie die alte Lassie Sängerin.

Wer die Hoffnung auf eine Besserung in der (Pop)Kultur in Deutschland also noch nicht ganz aufgegeben hat (schwer genug!) der möge sich dieses Werk ▶︎auf der Stelle zulegen.
Ein preußischer Kaufbefehl!

Als Sneak-Preview auf den März hier abschließend noch das tolle Stück Relief von mESMO.
Leider überhaupt nicht selbsterklärend.
Holen wir aber in Bälde nach. Sowohl als auch.

Eure:
Staatsakt.

PS: Wo wir gerade über die fatalen Folgen von Chauvinismus sprechen...
https://www.change.org/p/free-welt-correspondent-deniz-yücel?source_location=petition_nav

© Copyright 2006 - 2017 staatsakt.

Früchte der Zeit

staatsakt. 01/2017

Liebe Zeit-Leser, Casio-Uhrenbesitzer und Smartphone-Benutzer!

War die Zeit früher langsamer?!

Eine interessante Frage, die vor allem deshalb so schwer zu beantworten ist, weil einem das Leben ja subjektiv betrachtet immer schneller vorkommt.

Ja, stehe ich hier gerade vor dem Spiegel mit einer Zahnbürste im Mund weil ich gerade aufgestanden bin oder weil ich schon wieder zu Bett gehe?
Dabei dreht sich die Erde immer langsamer um seine eigene Achse. Geschätzte 3-4cm weniger pro Jahr. So gesehen läuft es mit der Zeit also genau andersrum.
Ok, neue Frage: Erleidet die Erde langsam aber sicher ein Burnout?

Sind das bereits erste, ernstzunehmende Symptome für das allseits bekannte Syndrom?

So oder so reden wir Menschen ständig davon, dass einem die Zeit nur noch so davon rast, und auch mit Binge-Watching, Snapchat oder Tinder lässt sie sich kaum mehr aufhalten.
Nicht einmal mehr von seinen Kindern hört man noch, wie schrecklich langweilig der Sonntag im Schoße der Familie doch ist. Klar, weil im Schoße der Familie heute ein iPad liegt.

Großvaters Web 2.0

Um diesem Mysterium auf der Zeitachse des Lebens auf die Schliche zu kommen, haben wir nun die Experten-Gruppe Der Ringer aus Hamburg unter Vertrag genommen.

Sie bringen heute ihr Debüt-Album ▶︎Soft Kill heraus.
Dabei stammt der Begriff Soft Kill nicht etwa aus der Astrophysik, sondern aus der Militärsprache. Eine Soft-Kill-Waffe neutralisiert eine Bedrohung, ohne sie selbst zu zerstören.

Das hilft uns jetzt in unserer Zeitfrage null weiter, aber sie merken: Die Jungs haben was auf dem Kasten.

Wenn man denn Der Ringer trauen darf, dann verlieren wir unser subjektives Zeitempfinden in den Datenleitungen. Unsere Synapsen müssen dermaßen high-energy mäßig performen (so spricht man nun mal in der Medienwelt, sorry!) um sich virtuell mit anderen Menschen über die Datenleitung zu vernetzen, dass einem die Zeit der Anstrengung subjektiv immer extrem schnell vorkommt. Man kennt das aus der Raumbewegung: Ein Jet-Leg nach einem Langstreckenflug.

So gesehen ist jede Bewegung in der Virtualität immer eine Art Langstreckenflug.

Offline bleiben dann oft nur noch müde Orientierungslosigkeit und ein nihilistisches Rumoren in der Magengegend.

Der Ringer versuchen auf Soft Kill dieser Zeitproblematik mit einer gewissen Grundmelancholie zu begegnen. Als wollten sie sagen: Hey Zeit, Du bist uns nicht so wichtig, egal wie schnell oder langsam Du immer auch vergehst, wir hängen hier eh nur rum!

Beim Herumhängen schreibt die Band dann große Songs oder strickt sich einen Band-Schal. Oder bastelt an Webanwendungen wie zu Großvaters Web2.0-Zeiten wie diese hier.

Der Ringer

Abgang

Leider funktioniert das Programm weder auf dem Smartphone, noch im Safari-Browser! Aber ist ja auch schön, wenn heute mal etwas nicht sofort funktioniert: "Was hast Du heute gemacht, Schatz?!"
Ich habe die Spülmaschine repariert.

"Und läuft sie wieder?"

Nein.

Ansonsten empfehlen wir allen Menschen, die sich gerade fragen, wo denn schon wieder die Zeit geblieben ist das Stück „Bemerkenswerte Menschen“ von Die Regierung:

Die Regierung hat einst den polnischen Abgang gemacht, sich französisch verabschiedet. Jetzt sind sie wieder da. Bloß um uns daran zu erinnern, wie lange das denn schon wieder her ist...

Bleibt einem abschließend eigentlich nur noch Groucho Marx zu zitieren:

„Time flies like an arrow, fruit flies like a banana!“
In diesem Sinne schon ganz krumm vor Lachen:

Euer:
Obstschalenlabel

PS: Ja, ist das denn etwa schon „Das Ende“?

staatsakt

Newsletter!

Staatstwitter


Staatsify

Neue Veröffentlichungen

    Künstler