Bin doch abstrakt

staatsakt. 05/2016

Hallo liebe Popperschweine!

Ja, richtig, da haben wir eingangs gleich mal Die Sterne zitiert:
„Man denkt ja immer nur an seine zukunft / und wenn es kracht / schaut die zukunft nur zurück und sagt / ich hab doch gar nichts gemacht / bin doch abstrakt/“

Wie wir drauf kamen? Nun, es gab auf den letzten Staatsakt-Newsletter tatsächlich extrem viel unterschiedliches Feedback. So wie man sich das ja auch wünscht, wenn man sich hinsetzt und so einen Text schreib: Emotionen!
Von „spitze, wie immer!“ bis „ist staatsakt etwa am Arsch..?“ gingen die Interpretationen zwischen den Zeilen doch sehr weit auseinander. Wir können Euch an dieser Stelle aber beruhigen: Nein, wir sind nicht am Arsch sondern freuen uns tierisch auf das was vor uns liegt. Und ein Unternehmer der nicht jammert, dem geht es schlecht! (immer noch unser liebstes Zitat aus Omas Kalenderspruch-Sammlung)
Und nach wie vor gilt vor allem für die ArbeiterInnen im Hause staatsakt:

„I’m not easy, but we can discuss it“
George Clinton

Also Freunde! Auf zu den erfreulichen, funky Fakten...

Es muss 1994 gewesen sein, als ich Kadde Babic im Münsterland kennenlernte. Kadde Babic kam aus Saorbiek und war schon damals, wie sein Vater Bronco Babic, ein begnadeter Keyboarder. Flink und funky. Spontan und super intuitiv. Und damit Ton für Ton immer richtig liegend. Die Familie Babic war in den 80er Jahren aus Ungarn nach Deutschland gezogen. Vater Babic muss in den 60er und 70er Jahren ein richtiger Popstar in Ungarn gewesen sein.
Zumindest erzählte Kadde das gerne nach den Proben.
Nach den Proben?! Ja, Kadde spielte Keyboards für ein paar Auftritte in meiner damaligen Funk-Band namens Crack Attack. Dann verschwand ich ins Ruhrgebiet, später Köln und schließlich nach Berlin und Kadde via Münster nach Hamburg. Wir haben uns zwischendrin aber immer wieder getroffen und uns soulful tunes vorgespielt. Und alte Geschichten drumherum gestrickt.
Ja, schon gut. Der Hammer kommt ja jetzt: Vor drei Jahren bekam Kadde die alten Original-Bänder und eine Tonbandmaschine von seinem Vater Bronco geschenkt.

Was ist das denn Geiles?!
Babyman.

Wer zum Teufel ist Babyman?!
(Kadde zeigt mir ein Cover)

Der sieht ja aus wie Du!
Das ist mein Vater!

Das ist Dein Vater?!
Ja, seine alten Aufnahmen aus dem 70ern: Habe Dir doch erzählt, dass er damals so wahnsinnig gut war.

Ist ja vollkommen irre.
Ja.

Das muss man rausbringen.
Ja.

Ja, wirklich.

In den letzten Jahren brachte Kadde vereinzelnd ein paar alte Singles seines Vaters wieder neu auf Vinyl heraus (auf dem wiederbelebten Label seines Vaters namens A-Sexy), aber heute ist ein Tag an dem ich mir vor Glück beinahe in die Hose mache:

Babyman 2

Das zentrale Machwerk seines Vaters erscheint endlich wieder auf Schallplatte. Auf A-Sexy. Komplett von den alten Bändern überspielt und aufwändig restauriert und remastert von Steff Flad in den Red Kirchen-Studios in Hamburg. Hat mal wieder ewig gedauert.
Aber das Warten hat sich gelohnt!

„Ein zeitloses Meisterwerk!“
befindet das Soul-Mag.

„Zwischen Kuhglocken-Funkrock im Sinne der Gruppe WAR über crazy P-Funk-tunes und Prä-New-Wave-Disco ist Babyman 1975 ein visionärer  Wurf gelungen...“  schreibt Heribert Altlantis in Wein & Vinyl.

Reinhören?
Reinhören!

St. Michael Front


Wir bleiben noch kurz in Hamburg.
Und reden über die St.Michael Front. Wurde mir damals auf einer Zugfahrt von Berlin nach Köln zugesteckt.
Von Dr.Dr.Penis.
Videos geschaut: Wahnsinn!
Die Walker Brothers und frühe Ultravox in einer Band?!
Aus Hamburg?! Aus dem Hier und Jetzt!?
Toll!

I’m fine:

once:

Die limitierte Vinyl-EP ist ab heute ebenfalls im Handel erhältlich! Bisschen in Eile. Entschuldigt also bitte das plötzliche Umkippen in Werbetext.

Wir machen uns jetzt auf den Weg zum Immergut-Festival. Da spielen heute Abend aus unserem Stalle Isolation Berlin, PeterLicht liest und quatscht zusammen mit Maurice Summen und in der Nacht tanzen wir alle zusammen zur Musique von Erobique!

Der Spielmacher

Und ach, der Vorverkauf für unser kommendes Fussball-Musical DER SPIELMACHER läuft erfreulicher Weise bereits auf Hochtouren.
Ihr seid uns alle very welcome!

Eure:
Very Goods ++
(Nearly Mint)

PS: Wer heute in Berlin noch einen Ausgehtipp braucht, weil einfach nicht in Festival-Laune:
Nicolas Sturm und seine Band im Valentin-Stüberl.

© Copyright 2006 - 2016 staatsakt.

Angst Angst Overkill

staatsakt. 05/2016


Herr Staatsakt, Sie machen in letzter Zeit oft einen niedergeschlagen Eindruck. Woran liegt’s?!

Nun, ich kann nicht leugnen, immer wieder gewisse Motivationsprobleme in meinem Innersten zu fühlen. Oder anders: Da wo früher immer ein zuverlässiges Feuer brannte ist heute oft nur noch ein verplombter Gashahn vorzufinden.


Sie waren doch vor allem immer ein Motivationskünstler. Nicht nur für sich sondern auch für alle Menschen um sie herum: Vertriebspartner, Künstler, Medien. Der alte Schwung ist dahin?!

So weit würde ich nicht gehen. Allerdings muss ich gestehen, dass mir dieses Indiepop-Geschäft heute oft gehörig gegen den Strich geht. Dort wo einst mal Haltung war, ist nur noch Buchhaltung.


Der Volksmund sagt: Ein Unternehmer der nicht jammert, dem geht es schlecht.

Ja, das scheint tatsächlich der Lauf der Dinge zu sein: Erst vom Enthusiasmus getrieben eine Unternehmung starten und dann eiert man jammernd an den Rändern seiner eigenen Galaxie herum und sehnt sich längst nach einem neuen Urknall.


Im Kapitalismus macht man neue Felder fruchtbar, kauft den Hof des Nachbarn oder vermählt seine Kinder miteinander. Wachstum, Herr Staatsakt. In Gottes Namen!

Klar: Die heilige Dreifaltigkeit im Kapitalismus: Wachstum, Wachstum und nochmals Wachstum. In der Maklerbranche lautet das Credo dann „Lage, Lage, Lage". In unserem Geschäftsbereich sind wohl Hits, Hits und Hits damit gemeint.


Aber da sind doch immer wieder Hits in ihrem Repertoire! Denken Sie zuletzt an die wunderbaren Isolation Berlin. Oder das sensationelle Comeback von Stereo Total. Da blickt doch jedes andere Indienlabel mit Neid ins Berliner Gleimviertel hinein.

Wissen Sie, Konkurrenz war nie mein Antrieb. So wie andere Labels, da oben im hohen Norden, die Wutausbrüche bekommen, weil sich ein Künstler mal gegen sie und für einen anderen Laden entscheidet, oder sie sich vor Freude in die Hose machen, weil sie einem anderen Label eine Künstlerin abwerben.
Meine Motivation war immer die Liebe zur Musik, Und damit verbunden: Das Schaffen sozialer Räume. Also mit Musik Räume zu bespielen. Und dort Begegnungen mit tollen Peoples möglich zu machen. Und wahlweise miteinander zu tanzen, zu knutschen oder bis in die Morgenstunden zu trinken und zu plaudern: Träume, Ängste, Pop, Politics.
Das gemeinschaftliche Gefühl zu verstärken, das ein anderes Leben eben doch möglich ist.


Ein anderes Leben?! Aber sie profitieren mit ihrem Label doch genau von dieser einen Welt.
Sie leben schließlich von den Sehnsüchten der Menschen da draußen.

Klar, manch einer sehnt sich nach einem gemütlichen Sofa, der andere nach aufregender Musik.
Aber ich zähle nicht zu den Menschen, die unter der Devise „Wer mit 20 kein Anarchist gewesen ist, aus dem wird nie ein guter Demokrat“ grinsend im Weinladen steht und nach dem richtigen Essensbegleiter für den Abend sucht. Das heisst jetzt nicht, dass ich was gegen gutes Essen oder guten Wein einzuwenden hätte.


Verstehe ich jetzt nicht.

Nun, ich habe noch heute mit dem von mir überaus geschätzten Künstler Carsten Meyer gesprochen. Wir sprachen über die kursierende Lieblosigkeit den Dingen gegenüber. Und über den Hass. Also nicht den immer größer werdenden Hass am rechten Rand, sondern Hass den tollen Sachen gegenüber. Den schönen Künsten. In unseren Kreisen. Wie sich Menschen darüber profilieren, die Kunst der Anderen zu hassen, bloß zu stellen usw. Wirklich schlimm.
Klar, so ein Popsong ist im Zweifel ja immer eine recht simple Angelegenheit, aber genau das ist ja das Tolle an einem Popsong. Wie eine kleine Postkarte, kann sie die ganz großen Emotionen transportieren. Wenn sie denn nur mit Herz ausgewählt und geschrieben ist.
Aber ich wollte ja auf den Verrat der Ideale raus: Überall verkommt die Haltung zur Pose. Und Menschen, die früher zusammen am Tresen hingen und gemeinsame davon träumten die Welt zu verändern, lassen heute Managements oder Anwälte für sich reden. Klar, in diesem Spiel möchten heute viele lieber Anwalt als Künstler sein.
Eben den Riesling aus den hohen Lagen. Nicht den freundlichen Liter aus dem Stahlfass. Wobei im Zweifel die Stimmung an den Tischen der einfachen Trinker ja immer viel herzlicher ist. Einfach weniger ausgestellt distinguiert.
Damit automatisch weniger hüftsteif, wie mir scheint. Ich will hier jetzt aber auch keinen Hass gegenüber den Leuten schüren, die einfach mehr Geld in ihrem Beruf verdienen als ich.


Augen auf bei der Berufswahl.

Eben. Und wissen sie was?! Jetzt wo ich mir den Frust erstmal von der Seele geschrieben habe, ist ja auch erstmal alles wieder gut. Da brennt schon noch was da unten in meinem Bauch. Also schon noch Bock! Wenn es denn beherzt zur Sache geht...


Das lesen wir gerne. Außer die Konkurrenz natürlich, die sich schon lange auf Ihren finalen Dolchstoß freut. Mögen Sie denn am Ende dem aufmerksamen Leser noch mitteilen, auf was für neue Produktionen aus dem Hause Staatsakt er/sie sich freuen darf in nächster Zeit?!

Sehr gerne. Ich kopiere einfach mal ein paar Links hier in den Text hinein, wenn das o.k. für Sie ist.


Sicher, nur zu. So viel Medienkompetenz kann man heute von seinen Lesern im Netz schon erwarten.

Der Spielmacher - Das Fusscial - Aufführung im HAU und Tonträger (24.06.2016)

Der Spielmacher




St.Michael Front - In The Wake Of A New Dream - EP-Vinyl (27.05.2016)

Nicolas Sturm - Angst Angst Overkill - Digitale Single (VÖ: HEUTE!)

Es gibt auch noch ein paar sehr schöne andere Veröffentlichungen in Bälde,
aber über die darf ich hier leider noch nicht schreiben.


Das macht doch nichts. Wir lesen ja bald hoffentlich wieder voneinander.
Bestimmt.
Frohe Pfingsten!

Ihr:
Staatsakt.

© Copyright 2006 - 2016 staatsakt.

Das Ende der Landlust oder wie die Kuh auf der Straße gemütlich einen fahren lässt

staatsakt. 03/2016

Im Jahre 2050 sollen nach aktuellen statistischen Hochrechnungen 70% der Menschheit in urbanen Räumen leben.
Es brennen uns bei dieser Prognose zwei Fragen unter den Nägeln:

Wer füttert dann die Kühe?
Und wer macht ihre Scheisse weg?!

Naja, die 30% die nicht in den Städten wohnen werden. Der erste Gedanke, klar.
Aber falsch gedacht: Die 30% Dorfbewohner werden schlicht weg zu alt oder schwach sein, um in die Städte zu flüchten. Kraftlos.
Also wird auch niemand mehr die Euter melken.

Einzige Chance: Die vollständige Hinwendung zum Hinduismus

Die Kuh wird also global heilig gesprochen und bewegt sich fortan frei durch Stadt, Land, Fluss und wird hier und da am Wegesrand von Hobbymelkern gemolken.

Was die Popmusik angeht ist die Aussicht auf eine Globalurbanbevölkerung sowieso nicht verkehrt.
Wenn bis 2050 der biedere Landei-Sound endlich aus den Radios verschwunden sein wird, verschwindet (oder ein Synonym für verschwinden) hoffentlich auch endlich der Jägerzaun-Geist in den Köpfen der Republik.
Wir meinen mit Landeisound selbstverständlich nicht den Hasch- oder Psilocybin- getränkten Psychedelic-Sound aus dem umgebauten Kotten in Westfalen oder MacPom, sondern den von der Industrie auf die Landbevölkerung zugeschnitten Schlagerrockquark mit gelegentlichem R&B-Chassis, der so dermaßen durchformatiert und durchquantisiert daherkommt, dass alle Säfte im Körper sofort aufhören zu fließen. Der einzige Ausweg aus der saftlosen Zone: SM-Sex.
(An dieser Stelle hört der aufmerksame Leser eine Peitsche knallen...)

Aber hier wird nicht nur gemeckert über das Landradio der Gegenwart und seine Folgen.
Nein, auch auch die Städte bieten allerhand Angriffsfläche.

Stichwort: Mieterhöhung.

Nicht nur die coolen Hänger, sondern auch die ambitionierten ArschgeigInnen zieht es schon etwas länger in die Städte.
Sie bringen Geld mit aus Vaters Firma, kaufen Wohnungen und Gewerberäume und rächen sich bei den coolen HängerInnen mit saftigen Mieterhöhungen dafür, dass sie während der Schulzeit nicht zu den wilden Partys eingeladen wurden, sondern immer nur im SV-Raum an der neusten Ausgabe der Schülerzeitung mitarbeiten durften.
Die gleichen ArschgeigInnen ohne Geld von Papas Firma findet man nicht selten in den politischen Volksparteien.
Zumindest in Deutschland.

In diesem Stadtbild der Gegenwart heldenhaft für uns unterwegs: Albrecht Schrader. Pianist. Liedermacher. Komödiant und ein überaus angenehmer Zeitgenosse. Er schreibt schon mal den ein oder anderen Hit für Fernsehpfeifen, aber eben auch für sein eigenes Publikum:
"Leben in der Großstadt, findet in Büros statt, oder in der Straßenbahn..."
heisst es etwa im Titelsong zur EP "Leben in der Großstadt".
Das Video dazu wollen wir uns hier einmal gemeinsam anschauen:

Die gleichnamige EP, also "Leben in der Großstadt" erscheint heute in streng limitierter Vinyl-Ausgabe.
Man suche zum Kauf den Plattenladen des Vertrauens auf. Oder bestelle bei der Hanseplatte, wo es im Rahmen der Fastenzeit gerade viele Staatsakt-Platten rabattiert sind.
Wer kann es seinen Mitmenschen schon vergönnen, zur Kompensation von Verzicht ein paar heiße Scheiben zum Schnäppchenkurs zu erwerben?!

Eben.

Hier gehts zum Tresen, Leute:

Wir sehen uns in der Straßenbahn!

Euer:
Staatsakt.

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