Casino, Welt und Aschenbecher

staatsakt. 07/2016

Kaum war die EM vorbei, wir wollten gerade ausgiebig den Themenkomplex „Deutschland, Deine Stürmer!“ durchdiskutieren, hatten zum Marmeladenbrötchen den allerneusten, taktischen Löw-Analyse-Text aus den Gazetten zur Hand genommen, da geriet unsere Welt auch schon wieder gewaltig aus den Fugen.

Das im Zusammenhang mit dem grauenvollen LKW-Drive in Nizza, wie in einem schlechten Computerspiel, nein, keine Sorge, hier schiebt keiner der Computerspiel-Industrie Schuld zu, nein, die Zockler-Industrie ist auch nur Kapitalismus, und der schafft es moralisch eben immer schön außen vor zu sein.
Ja, ist ja nur Geld, ist ja nur Arbeit, ist ja eben keine Religion, hat ja auch mit Familie nix am Hut, nein, wirklich nicht...
Ja, also dass im Zusammenhang mit dieser Tat kaum einer von „Amok“ spricht, sondern alle immer gleich von „Terror“ reden müssen, verängstigt einen um so mehr. So legitimiert man mit einem Wort wirklich alles:

Grenzen, Überwachungsstaat, Krieg, Härte, Härte und nochmals Härte!

Ja, und da hatte man sich gerade erst an Boris Johnson als neuen, britischen Außenminister gewöhnt, da kam auch schon das gescheiterte Werk der „Putschisten“ in der Türkei. Auch stark, wie dieser Begriff, also der Begriff des „Putschisten“ mit einer Wucht in die Räume drängte. Da will man doch sofort den Wodka aus dem Eisfach holen: Nastrovje!



PokemonGo


Na, und gerade hatten sich die Eltern daran gewöhnt, das ihre Kinder wegen Minecraft und anderen Web-Spielchen gar nicht mehr aus dem Haus gehen, und somit zumindest sicher vor Terror an öffentlichen Plätzen sind, da erscheint auch schon Pokemon Go auf dem Markt.

Und wenn in Deutschland dem gemeinen Twitterhelden nichts besseres einfällt, als zum „Putsch“ in der Türkei irgendwas mit Böhmermann zu posten, dann ist das sicher ein zu verzeihender Reflex aus der Echokammer, aber zeigt eben auch, dass so ein Schwarm nicht zwingend intelligent sein muss, sondern sich oft einfach nur jemanden sucht, den er für intelligent hält.
Auch dann, wenn sich der Auserwählte wie ein Parasit von den Dummheiten der Allgemeinheit, also des Schwarms nährt. Win-Win!

Und wenn dann zu allem Überdruss im pittoresken Würzburg ein Halbstarker verzweifelt die Axt schwingt, dann ist sowieso nichts mehr so wie es einmal war.

Und wir so?! Poplinke von Staate Nehmer?

Wir blicken auf die Geschehnisse und versuchen uns auch irgendwie einen Reim drauf zu machen.
Die Reime landen schließlich in Songs, die Songs werden gemischt und gemastert und landen, so wie es sich Jochen Distelmeyer einst in seiner Apfelmann-Allegorie vorstellte, auf dem Biomarkt. Heimlich würden wir auch gerne billiges Industrieessen auf den Supermarkt werfen, wegen der Massen, wegen der Rendite, aber wir bleiben Idealisten und vor allem bleiben wir MusikliebhaberInnen.

Da kann man einfach keine qualitativen Abstriche machen.

Und es ist ja nicht auszuschliessen, das übermorgen mal wieder was durch die Decke geht.
Nichts ist schließlich schwerer aufzuhalten als eine Idee, die einfach mal dran ist.

GOA

Das dachte sich wohl auch Andreas Spechtl, vor einem Jahr noch allein im Schlafwagen unterwegs, dann aber schon im letzten Winter wieder erwacht als Trio mit Rabea Erradi und Chris Imler auf der Bühne. Nun trägt das quasi live gegründete Trio den Namen GOA. Und der erste gemeinsame Song lautet „Fuma Un Casino“, in italienischer Sprache vorgetragen!
Bei Google-Translate in Wurst übersetzt liest es sich dann so:

Rauchen ist ein Casino

Weil die Musik
Wenn die Stadt
Verbrennungen
Verbrennungen
Verbrennungen
Weil die Songs
wenn die Faschisten
Umgehen
Kostenlos
Kostenlos
Sie raucht eine Verwirrung
Aber ich möchte zu mir sagen
Es ist freilich
Die Sonne aufgeht
Mehr!
Sie wissen...Sie wissen...
Aber
Eine Stadt Voller Schrecken
Es wird immer voller Faschisten sein
Und seine intimen Freunde
Intim
Intim

GOA treten am 29.07. erstmals unter neuem Namen in Wien beim Popfest auf.

Ein Witz:

Treffen sich zwei Bands im Flugzeug. Isolation Berlin und die Fat White Family.
„Ich stehe so geil auf deutschen Schlager“, sagt einer von der Fat White Family. „Schreiben wir Dir einen!“, erwidern die deutschen Schlagerexperten. Gesagt, getan. Vorhang auf für Mr.Tai von Sternenstaub - Ein Schlagerstar ohne Visum.

„Fotzenfenderschweine“

Überhaupt nicht sinnfrei, sondern wunderschön romantisch ist übrigens das Buch „Fotzenfenderschweine“ von Almut Klotz geraten.
Eine ergreifende, biographische Liebesgeschichte über sie und Ihren Mann, den Reverend.
Über Indie-Berlin und die Freiheit der See. Über Außenseiter- und Hipstertum. Nicht über das richtige Leben im Falschen sondern über das Wichtige im hier und jetzt! Über die große Liebe und das, was sie auszuhalten in der Lage ist.
Posthum und dabei so gegenwärtig wie nur die ganz GroßInnen.
Erschienen beim Verbrecher-Verlag.
Käuflich zu erwerben bei der Hanseplatte.
Zum Beispiel.

Ausblick

Bevor wir hier nun bis Mitte August den Rechner zuklappen und Urlaub machen, wagen wir einen kleinen Ausblick auf das Staatsakt-Spätsommer/Herbst-Programm. Ja, frech auf der Mauer herumlungern lohnt sich eben doch:

All diese Gewalt - „Welt in Klammern“. Wahnsinnig gute Platte von Max Rieger of Die Nerven Fame! (VÖ 23.09.)

Jacques Palminger und das 440hz Trio - „Spanky und seine Freunde“. Palminger spricht immer zu von einem Nachbarschaftsprojekt. Na, da möchte man gerne ne Waffel backen in so einer Nachbarschaft! (VÖ 07.10.)

Nicolas Sturm - „Angst Angst Overkill“ - Wimp und Glam. Synthie-Streicher und Twang! (iTunes, spotify)

Christiane Rösinger - Der langersehnte Nachfolger von „Songs Of L. And Hate“. Eine Andreas-Spechtl-Produktion. (LP-CD, iTunes, spotify)

Pudel Produkte 28: „Altin Kanis Klübü“. Der Soul der türkischen Gastarbeiter. Genial kompiliert und kommentiert von Booty Carrell.

Mule & Man - „One Hand Clap“: Formidable Debüt-EP von Kid Simius und Monsieur Bonaparte. So clap your hands everybody! (VÖ 02.09.)

► Der Berlin oder Isolation Ringer: Split-EP von Der Ringer und Isolation Berlin. Zwei Bands deep in love.



Euer:
Staatsakt in Badelatschen.

PS: Rest in Peace, Alan Vega!
PPS: Welcome Back, Golden Pudel Club!!!
PPS: Ach, und Der-Spielmacher-Tonträger (LP-CD, iTunes, spotify) sei hiermit nochmal jedem ans Herz gelegt:

© Copyright 2006 - 2016 staatsakt.

Lasst das Spiel beginnen

staatsakt. 06/2016



Der Spielmacher


Leute, nur ganz kurz.
In wenigen Minuten schon wieder in die Maske, dann auf die Bühne.
Ein alter Türentraum wird heute Abend Reality.
Unser Fussical "Der Spielmacher" feiert heute Premiere.
Dank dem Regisseur Patrick Wengenroth und einem tollen Ensemble und unserem Verein Bussard Berlin der gerade eine wirklich herausragende Saison spielt.

Und wir wären kein Musik-Label, wenn wir nicht heute den, ja wie sagt man, ja den Soundtrack zum Bühnenstück herausbrechten (SIC!).

Lieder rund wie ein Ball. Fußball als Realitätsmodell.
Von und mit: Die Türen, Der Mann, Christiane Rösinger, Jens Friebe, Chris Imler, Gereon Klug, Verena Unbehaun, Lucy Wirth, Vivien Meier und Andreas Spechtl.

Das Artwork stammt von Helmut Kraus, der auch schon für die Gestaltung Der Mann-LP verantwortlich war.
Produziert hat Berthold Mann, also Ramin Bijan.
Vom Feinsten, Männeken...

Und Leute, nur nochmal ganz kurz:

Heute erscheint außerdem das erste Stück der im September erscheinenden Erscheinung MULE & MAN, dem gemeinsame Ritt durch Space & Time von Monsieur Bonaparte und seinem neuen kongenialen Partner Kid Simius, dem andalusischen Hengst geschmeidiger Electronic und Neigung zur Surf-Kante.
Das Video zum Song "10k Types Of Torture" zeigt uns eindrucksvoll, was GIFs langfristig mit dem sozialen Verhalten anstellen. Und wie sich folgenschwere Ticks in der Musikproduktion als durchaus vorteilhaft erweisen können:

440Hz

Ach, und hören gerade beim Schreiben das im Herbst kommende Album von Jacques Palminger und dem 440z-Trio. Totaler Wahnsinn!

Ach, und Leute schon wieder nur ganz kurz:

Brexit?! Wir finden man sollte einfach dem ADAC-Pannenservice das Regeln des Cashflows überlassen.
Kolbenfresser?! Kein Problem. Wir schicken jemanden vorbei.
Der Motor springt nicht an?!
Sofort ist jemand da.

Für müde 10 Euro Monatsbeitrag. Für 25 gibt es dann die goldene Kundenkarte.
Damit wird man dann selbstverständlich bevorzugt behandelt...

Bevorzugt die Musik im Leben seit 2003:

Euer Staatsakt.

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Bin doch abstrakt

staatsakt. 05/2016

Hallo liebe Popperschweine!

Ja, richtig, da haben wir eingangs gleich mal Die Sterne zitiert:
„Man denkt ja immer nur an seine zukunft / und wenn es kracht / schaut die zukunft nur zurück und sagt / ich hab doch gar nichts gemacht / bin doch abstrakt/“

Wie wir drauf kamen? Nun, es gab auf den letzten Staatsakt-Newsletter tatsächlich extrem viel unterschiedliches Feedback. So wie man sich das ja auch wünscht, wenn man sich hinsetzt und so einen Text schreib: Emotionen!
Von „spitze, wie immer!“ bis „ist staatsakt etwa am Arsch..?“ gingen die Interpretationen zwischen den Zeilen doch sehr weit auseinander. Wir können Euch an dieser Stelle aber beruhigen: Nein, wir sind nicht am Arsch sondern freuen uns tierisch auf das was vor uns liegt. Und ein Unternehmer der nicht jammert, dem geht es schlecht! (immer noch unser liebstes Zitat aus Omas Kalenderspruch-Sammlung)
Und nach wie vor gilt vor allem für die ArbeiterInnen im Hause staatsakt:

„I’m not easy, but we can discuss it“
George Clinton

Also Freunde! Auf zu den erfreulichen, funky Fakten...

Es muss 1994 gewesen sein, als ich Kadde Babic im Münsterland kennenlernte. Kadde Babic kam aus Saorbiek und war schon damals, wie sein Vater Bronco Babic, ein begnadeter Keyboarder. Flink und funky. Spontan und super intuitiv. Und damit Ton für Ton immer richtig liegend. Die Familie Babic war in den 80er Jahren aus Ungarn nach Deutschland gezogen. Vater Babic muss in den 60er und 70er Jahren ein richtiger Popstar in Ungarn gewesen sein.
Zumindest erzählte Kadde das gerne nach den Proben.
Nach den Proben?! Ja, Kadde spielte Keyboards für ein paar Auftritte in meiner damaligen Funk-Band namens Crack Attack. Dann verschwand ich ins Ruhrgebiet, später Köln und schließlich nach Berlin und Kadde via Münster nach Hamburg. Wir haben uns zwischendrin aber immer wieder getroffen und uns soulful tunes vorgespielt. Und alte Geschichten drumherum gestrickt.
Ja, schon gut. Der Hammer kommt ja jetzt: Vor drei Jahren bekam Kadde die alten Original-Bänder und eine Tonbandmaschine von seinem Vater Bronco geschenkt.

Was ist das denn Geiles?!
Babyman.

Wer zum Teufel ist Babyman?!
(Kadde zeigt mir ein Cover)

Der sieht ja aus wie Du!
Das ist mein Vater!

Das ist Dein Vater?!
Ja, seine alten Aufnahmen aus dem 70ern: Habe Dir doch erzählt, dass er damals so wahnsinnig gut war.

Ist ja vollkommen irre.
Ja.

Das muss man rausbringen.
Ja.

Ja, wirklich.

In den letzten Jahren brachte Kadde vereinzelnd ein paar alte Singles seines Vaters wieder neu auf Vinyl heraus (auf dem wiederbelebten Label seines Vaters namens A-Sexy), aber heute ist ein Tag an dem ich mir vor Glück beinahe in die Hose mache:

Babyman 2

Das zentrale Machwerk seines Vaters erscheint endlich wieder auf Schallplatte. Auf A-Sexy. Komplett von den alten Bändern überspielt und aufwändig restauriert und remastert von Steff Flad in den Red Kirchen-Studios in Hamburg. Hat mal wieder ewig gedauert.
Aber das Warten hat sich gelohnt!

„Ein zeitloses Meisterwerk!“
befindet das Soul-Mag.

„Zwischen Kuhglocken-Funkrock im Sinne der Gruppe WAR über crazy P-Funk-tunes und Prä-New-Wave-Disco ist Babyman 1975 ein visionärer  Wurf gelungen...“  schreibt Heribert Altlantis in Wein & Vinyl.

Reinhören?
Reinhören!

St. Michael Front


Wir bleiben noch kurz in Hamburg.
Und reden über die St.Michael Front. Wurde mir damals auf einer Zugfahrt von Berlin nach Köln zugesteckt.
Von Dr.Dr.Penis.
Videos geschaut: Wahnsinn!
Die Walker Brothers und frühe Ultravox in einer Band?!
Aus Hamburg?! Aus dem Hier und Jetzt!?
Toll!

I’m fine:

once:

Die limitierte Vinyl-EP ist ab heute ebenfalls im Handel erhältlich! Bisschen in Eile. Entschuldigt also bitte das plötzliche Umkippen in Werbetext.

Wir machen uns jetzt auf den Weg zum Immergut-Festival. Da spielen heute Abend aus unserem Stalle Isolation Berlin, PeterLicht liest und quatscht zusammen mit Maurice Summen und in der Nacht tanzen wir alle zusammen zur Musique von Erobique!

Der Spielmacher

Und ach, der Vorverkauf für unser kommendes Fussball-Musical DER SPIELMACHER läuft erfreulicher Weise bereits auf Hochtouren.
Ihr seid uns alle very welcome!

Eure:
Very Goods ++
(Nearly Mint)

PS: Wer heute in Berlin noch einen Ausgehtipp braucht, weil einfach nicht in Festival-Laune:
Nicolas Sturm und seine Band im Valentin-Stüberl.

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